Sep 15, 2012 - Allgemein    9 Kommentare

Antworten — ja oder nein?

Dieser Beitrag ist Teil der Blog-Serie „Widersprüche in der Bibel“. Am Ende des Artikels findest du eine Linkliste, die dich zu weiteren veröffentlichten Beiträgen dieser Serie leitet.

Heilige Schrift

der Wi-der­-spruch (Wortart: Substantiv, maskulin)das Sichwidersprechen, Sichausschließen; fehlende Übereinstimmung zweier oder mehrerer Aussagen, Erscheinungen o. Ä.
Duden online

Einleitende Gedanken

Immer wieder begegnen mir Fragen bzgl. der Widersprüchlichkeit der Bibel. Meine bisherige Erfahrung zeigt mir deutlich, dass Fehler und Irrtümer, die der Bibel vorgeworfen werden, durch intensives Studium der jeweiligen Schriften dahinschwinden und sich die Einheit der Bibel immer weiter in den Vordergrund stellt. Dennoch bin ich der Meinung, dass derartige kritische Fragen niemals unterschlagen werden sollten. Bei der Entdeckung angeblicher Fehler sollten wir gewissenhaft und mit Eifer die Sache untersuchen, um herauszufinden, was Gott uns genau sagen möchte. Dann werden wir erleben, dass sich Gott wirklich treu zu seinem Wort stellen wird.
Kommen wir nun zu unserem ersten „Widerspruch“.

Antworten — ja oder nein?

Spr 26,4) Antworte dem Toren nicht nach seiner Narrheit, damit nicht auch du ihm gleich wirst!

Spr 26,5) Antworte dem Toren nach seiner Narrheit, damit er nicht weise bleibt in seinen Augen!

Frage

Was denn nun? Sollen wir einem Toren (oder Dummkopf, Narren) antworten oder doch lieber still bleiben, damit wir nicht selber so dumm werden?

Antwort

Man sollte König Salomo — dem Verfasser dieser Verse — nicht vorwerfen, dass dieser einfach nur blind für Widersprüche gewesen sei. Besonders hervorzuheben ist, dass es sich hier um aufeinanderfolgende Verse des selben Kapitels handelt. Diese beiden Sätze wurden also direkt hintereinander aufgeschrieben. Fest steht, dass wirklich jeder Autor eine fehlende Übereinstimmung erkennen würde, wenn es sich hier tatsächlich um ein Irrtum und Fehler handeln würde. Die sprichwörtliche salomonische Weisheit (1Kö 3) hat an dieser Stelle sicherlich mehr zu bieten.

Kurzum: Diese Verse zeigen deutlich auf, dass ein Spruch bzw. Bibelvers nicht alle Lebensumstände abdeckt. Das beschriebene Verhalten gegenüber Toren soll deshalb stets situativ entschieden werden. Eine Antwort gegenüber dem Toren habe demnach nur dann Sinn, wenn hiermit seine eigene Torheit aufgedeckt und seine scheinbare Weisheit zerbrochen wird. Ansonsten mache man sich bei einer Diskussion auf Augenhöhe nur selbst zum Dummkopf.

 

Die gesamte Blog-Serie beruft sich auf ein Schriftverständnis, dass bereits 1978 in der Chicago-Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Bibel festgehalten wurde.

Gerne darfst du in den Kommentaren Ergänzungen vornehmen oder weiterführende Fragen zu der angebotenen Antwort stellen. Ich würde mich auch freuen, wenn dir „Widersprüche“ einfallen würden, die auf Jesus24.de einmal behandelt werden sollen.

Soli Deo Gloria,
wju

Bildquelle: Branden Shape

Bisher erschienene Artikel in dieser Blog-Serie:

Part 1: Antworten — ja oder nein?
Part 2: „Gutes und Böses erkennen“ – was ist daran schon schlecht?

Ähnliche Artikel:

9 Kommentare

  • Ich hätte ein Paar „Widersprüche“ zur Behandlung:
    1. Wer hat den Riesen Goliath erschlagen? Bzw. wen erschlug Elhanan? (1. Sam 17; 2. Sam 21; 1 Chr 20)
    2. Was waren die letzten Worte Jesu am Kreuz? – man könnte hier der katholischen Lehre der „Sieben letzten Worte“ folgen. Oder sind sie doch theologische Entscheidungen der jeweiligen Evangelisten?
    Leg los 🙂

  • Karlheinz Vanheiden hat soetwas auch auf seiner Seite zu finden – fand ich immer hilfreich bei solchen speziellen Fragen!

    http://kh-vanheiden.de/

    Gods Bless,

    RE

  • Schöne Idee, diese Reihe. Gut so! Was die Chicagoer Erklärung angeht, finde ich viele der Thesen gut, aber ab Paragraph X wird es schwierig. Den Begriff der „unfehlbarkeit“ oder „irrtumslosigkeit“ halte ich für sinnlos und irreführend. Man kommt dadurch doch in ein fahrwasser der ständigen rechtfertigung der Bibel vor dem modernen Wissenschaftsverständnis hinein, das einen vom produktiven Lesen der Bibel abhalten kann. Schon Dein erster Post gerät in dieses Fahrwasser, finde ich. Dass diese Sprüche situationsbezogen zu verstehen sind, kann sich eigentlich jedes Kind durch gesunden Menschenverstand zusammenreimen, dazu braucht man doch die Chicagoer Erklärung nicht!

    Sollte man sich überhaupt davon leiten lassen, die Anklagen der Kritiker zum Gliederungsprinzip unserer Auslegung machen zu lassen? Hilft es etwas, wenn man wie ein Anwalt des Textes diese Anklagen zu entkräften versucht? Es ist auf jeden Fall gut, sich auf solche Kritik einzulassen, aber vielleicht geht das auch, ohne dass man den Ball ins Feld des Gegners zurückschmettert?

    Das sind so meine offenen Fragen, aber lass Dich dadurch nicht von der Arbeit abhalten. Man lernt auf jeden Fall was dabei. Das Blog ist wirklich schön gemacht! Ich wünsche Dir viel Erfolg, Durchhaltevermögen und vor allem Gottes Segen….

    • Lieber Jordanus,

      sicherlich hast du Recht, dass wir Christen aufpassen sollten, nicht zum Spielball irgendwelcher Kritiker zu werden. Mein Ziel ist es nicht die Bibel zu verteidigen. Ich denke, dass die Bibel das gut genug selber kann. Das tut sie schon seit vielen Jahrhunderten, dafür braucht sie keinen Anwalt, und erst recht nicht mich. Das ist allein der Job des Heiligen Geistes, dem Geist der Wahrheit (Joh 16,13).

      Dennoch möchte ich den fragenden Leser abholen. Du schreibst interessanterweise bereits selber, dass es auch gut ist, sich auf solche Kritiken einzulassen. Die Frage nach der Widersprüchlichkeit gehört zu den grundlegenden Fragen unter den Klassikern. Hier möchte ich ein wenig Hilfestellung in den nächsten Wochen geben. Dazu dient mir als Vorverständnis die Chicago-Erklärung. Nicht explizit für das „Problem“ aus Sprüche 26, sondern generell.

      Mich freut es natürlich, dass für dich dieses Sprüche-„Problem“ sonnenklar ist. Dennoch kenne ich Schriftgelehrte (!), die tatsächlich an dieser Stelle einen Widerspruch feststellen und dies auch verteidigen. So albern, dass auch scheinen mag…

      Ich danke dir vom Herzen für deine Segenswünsche. Ich freue mich sehr darüber, dass du auf J24 vorbeigeschaut hast! Gott segne dich!

      wju

  • Römer 3, 23 sagt „Alle haben gesündigt“. Alle heißt alle.

    Aber in Genesis 6, 9 heißt es, Noah war ein gerechter, untadeliger Mann unter seinen Zeitgenossen.

    Hiob 1,1 sagt Hiob war untadelig und rechtschaffen.

    Wie konnten diese Männer perfekt sein, wenn doch ALLE gesündigt haben?

  • Hi,

    hier zu dem Thema auch noch eine englisch-sprachige Website, die einige der „Wiedersprüche“ aufgreift und Antworten anbietet:

    http://carm.org/bible-difficulties/genesis-deuteronomy/have-all-people-sinned-or-not

    Lg michaela

  • Das Alte Testament und Jesus lehren, dass man durch aufrichtige Reue und Befolgung des Gesetzes errettet wird.

    Paulus lehrt etwas anderes.

    „Luke 1:5–6 And they were both RIGHTEOUS in the sight of God, walking blamelessly IN ALL THE COMMANDMENTS and requirements of the Lord.

    If righteousness can come through the Law, then Christ died needlessly (Gal. 2:21).“

    Die Bibel ist unklar darüber, wie man errettet wird.

    Gibt es etwas wichtigeres, was die Bibel mitzuteilen hätte?

    Warum ist die Bibel mehrdeutig und widersprüchlich hinsichtlich des Themas?

  • Ich danke euch allen für eure Posts.

    Ich werde in unbestimmten Abständen auf eure Fragen eingehen wollen. Seht es mir also bitte nach, wenn ich nicht sofort jede Frage ausführlichst bearbeiten werde.

    Danke noch einmal für eure Offenheit & Ehrlichkeit!

    Liebe Grüße, wju

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