Sep 24, 2016 - Impulse    1 Kommentar

Wenn Zocken zum Götzen wird

gamecontroller

Vergangenes Wochenende war ich auf der Josia-Konferenz, wo mir in schriftlicher Form folgende Frage gestellt wurde:

Waldemar, wie hast du es geschafft, das Zocken dir nicht zum Götzendienst wird und „nur“ ein spaßiges Hobby ist.

Ich gehöre bei weitem nicht zu denjenigen, die das Spielen von PC- oder Konsolen-Games verteufeln. Ich bin mit Amiga, PC, Gameboy, PlayStation aufgewachsen und freue mich, wenn auch immer seltener, immer mal wieder über richtig gute Games. (Sicherlich gibt es Genres, die für mich aufgrund meiner Glaubensüberzeugungen nicht infrage kommen. Ein netter Richtwert ist für mich die Frage, ob ich ruhigen Gewissens meinen Controller Jesus anbieten würde, wenn dieser gerade neben mir sitzen würde. Sagt mir mein Gewissen, dass er bestimmt aber höflich ablehne, spiele ich das Spiel nicht.)

Die obige Frage des Konferenz-Teilnehmers freut mich, weil sie mir zeigt, dass die fragende Person erkannt hat, dass Zocken zumindest das Potential hat, auf ungesunde Art und Weise Einfluss auf mein Leben auszuüben (Gedanken, Sehnsüchte, Vorstellungen, Wünsche, Werte). Darum stellt sich für mich nicht so sehr die Frage, ob Zocken an sich verkehrt ist, sondern tatsächlich wie ich mit Games umgehen kann, dass sie keinen negativen Einfluss auf mich und mein Herz haben.

Vor einigen Jahren habe ich folgende Erfahrung mit dem bekannten Fußballgame FIFA gemacht. Ich habe mehrmals unter der Woche nur ein paar Minuten an der PS3 verbracht, um ein schnelle Runde zu spielen. Soweit so gut. Zu keiner Zeit hatte ich das Gefühl, dass sich das Zocken negativ auf mich auswirkt. Doch mit der Zeit habe ich folgendes bemerkt. Sobald ich die Augen schloss, ging ein Film vor meinem inneren Auge los. Unterschiedliche Spielzüge schossen mir durch den Kopf, sodass meine Konzentration nachhaltig beeinträchtigt wurde, besonders beim Gebet.

Selbiges ist mir kürzlich mit meinem Uralt-Gameboy passiert. Zum Zeitvertreib habe ich mein oldschool Tetris-Spiel rausgekramt und ein wenig gedaddelt. Täglich ein paar Minuten Gehirnjogging quasi. Nach einiger Zeit trat selbiges Phänomen auf. Wenn ich mit geschlossenen Augen beten wollte, fielen plötzlich Tetris-Steine von oben nach unten und mussten zwangsläufig von mir in die richtige Position gebracht werden. Das war mega nervig und störte mich in meiner Fokussierung auf Jesus.

In beiden Fällen erinnerte ich mich an eine starke und hilfreiche Aussage in der Bibel zu unserem Thema:

Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist nützlich. Alles ist mir erlaubt, aber ich will mich von nichts beherrschen lassen. (1Kor 6,12)

Von nichts beherrscht zu sein – das ist genau mein Anliegen. Wenn auch unscheinbar, hatten diese unverfänglichen Games zu viel Kontrolle über meine Gedankenwelt bekommen. Darum beschloss ich Abstand vom Zocken zu nehmen, damit ich mich im Gebet meinem Herrn und König widmen kann und nicht irgendwelchen FIFA-Spielzügen oder Tetris-Bauklötzen das Recht gebe über meine Gedankenwelt zu bestimmen und mich zu kontrollieren. Wenn dir spätestens an der Stelle des Aufhörens und Abstandnehmens auffällt, dass du nicht oder nur schwer verzichten kannst, weißt du, dass Zocken mit großer Wahrscheinlichkeit nicht bloß ein spaßiges Hobby für dich ist.

In dem Zuge möchte ich auf eine Kolumne von Hanniel hinweisen, der sich erst kürzlich mit dem Thema auf seinem Blog beschäftigte: Je länger ich Bubenvater bin, desto grösser wird meine Kritik am Zocken. Hanniel beginnt dort mit einem Zitat, welches sehr gut an den Schluss meines Blogposts passt:

Mehr als alles braucht der Mensch Selbstbescheidung für sein inneres Gleichgewicht und für die Klarheit seiner Seele.

– Alexander Solschenizyn

Update: Der bekannte Blogger Tim Challies veröffentlicht interessanterweise zu demselben Thema einen lesenswerten Artikel: Christian Men and Their Videos Games

Bildquelle: picjumbo

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