Sep 11, 2013 - Allgemein    1 Kommentar

Wenn Gott den Raum betritt …

Hallo?!

Man kann es manchmal beobachten. Nein, eigentlich passiert es oft. Nun ja, im Grunde geschieht es täglich. Also ich erlebe es immer wieder. Du fragst dich jetzt, was ich genau meine? Hast du das schon einmal erlebt, dass deine Mitmenschen plötzlich ganz anders, ja schon fast eigenartig werden, wenn man sie beten hört? Was ich damit meine? Achte einmal darauf: Gerade eben hast du noch ein total entspanntes, gemütliches und freundschaftliches Gespräch mit deinem Gegenüber geführt. Ihr habt gelacht, euch ausgetauscht und einfach eine gute Zeit miteinander verbracht. Und dann geschieht plötzlich folgendes. Ihr entschließt euch (aus welchem Grund auch immer) miteinander zu beten – eine sehr gute Idee, wie ich finde. Auf einmal macht es *swoosh*. Gott betritt den Raum und dein Kumpel beginnt zu beten. Und du fragst dich: „Ähm … hab ich etwas verpasst?“ Was ist passiert? Dein Gegenüber redet auf einmal auf eine Art und Weise, die dir völlig fremd erscheint. Genauer genommen scheint es so, als wenn da auf einmal jemand anderes spricht. „Hallo?! Wo ist mein Kumpel abgeblieben?“ Völlig abgehoben, gestelzt und einfach nur unauthentisch.

Vor wenigen Tagen fragte mich ein Kumpel, ob man mit Gott so sprechen könne, wie man halt normalerweise redet, also wie mit jedem anderen auch. Was denkst du darüber?

Ich fand diese Frage sehr spannend. Ich habe mich über seine Ehrlichkeit sehr gefreut, doch gleichzeitig war ich auch ein wenig traurig. Warum? Weil mein Kumpel anscheinend noch nichts darüber wusste, wie man in angemessener Weise mit Gott, dem König der Könige und dem Herrn der Herrn, spricht. Ich stellte mir die Frage, woher diese distanzierte Haltung kommt, die so viele Menschen im Gespräch mit Gott an den Tag legen. Ich meine, warum sind wir so kühl und emotionslos? Kommt es daher, dass Gott schlicht und ergreifend überwiegend als jemand angesehen wird, der als der Big Boss im Himmel regiert und nur einen sehr unpersönlichen Draht bzw. ein sehr geringes Interesse an meiner Person hat? Versteht Gott unser Reden nur, wenn wir mindestens 99% fromme Worte verwenden, dessen Bedeutung wir uns vielleicht noch nicht einmal im Klaren sind? Am besten bete ich gleich auf Hebräisch, mindestens Griechisch oder doch lieber in Latein?

In der Bibel gibt es eine Riesenmenge an verschriftlichten Gebeten. Das ist deshalb so spannend, weil wir anhand dieser Gebete lernen können wie Menschen überhaupt mit Gott kommunizieren können. Worüber sprachen sie? Welche Emotionen und Gefühle hatten sie dabei? Was ging in ihnen währenddessen vor? Die Wichtigkeit dieser Gebete ist unermesslich groß, denn Gott hat die Personen in der Bibel dazu bestimmt und auserwählt ihre Gebete schriftlich zu fixieren. Es sind Gebete, die und sozusagen von Gott persönlich als Vorbild vorgelegt werden. Gott will uns nämlich damit in etwa sagen: „Hier, nimm und lies! Und wenn du es gelesen hast, dann lies es doch noch einmal. Lerne von diesen Vorbildern und bete mit der gleichen Herzenshaltung und inneren Einstellung zu mir.“

Interessanterweise stieß ich kurz nach dem oben erwähnten Gespräch auf einen herausfordernden Psalm. Der Beter verfasst sein Gebet, während er in einer ziemlich dreckigen Phase in seinem Leben zu Gott mit aller Kraft und jeder Faser schreit! Auch wenn das ganze Kapitel lesenswert ist, zitiere ich jetzt einmal nur einen Vers:

Ps 44,24) Erwache! Warum schläfst du, Herr? Wache auf! Verwirf uns nicht auf ewig!

Als ich das gesamte 44. Kapitel las, muss ich zugeben, dass ich diesen Vers tatsächlich öfter lesen musste. Ich bin immer wieder daran hängen geblieben. Mich hat nämlich beeindruckt wie dieser Mann mit Gott sprach. In absoluter Verzweiflung und purer Hilflosigkeit wendet er sich Gott zu. Er quatscht nicht fromm daher, sondern er ist zutiefst echt, völlig authentisch. Er sagt mit anderen Worten: „Gott, mir entgleitet gerade alles! Es fühlt sich gerade so an, als wenn du gar nicht da wärst! Wo bist du? Schläfst du etwa? Hallo?! Wache auf! Hilf uns, denn du bist meine einzige Hoffnung.“

Selbstverständlich war dem Mann völlig bewusst, dass Gott nicht schläft (das wird durch sein restliches Gebet mehr als deutlich). Und trotzdem verstellt er sich nicht und spielt keine Spielchen. Die Sache ist ihm zu ernst, als dass er eine Maske tragen möchte. Er sagt gerade heraus, was ihn beschäftigt und wie er empfindet. Er setzt alles auf eine Karte. Das zeigt sein großes Vertrauen in Gott. Das beweist geradezu, dass der lebendige Gott alles andere als ein schlafender Gott ist! Denn nur ein wacher Gott ist fähig zu handeln!

Versteh mich nicht falsch, es geht mir hier keineswegs um Respektlosigkeit. Mit Gott zu reden ist immer etwas Herrliches und Heiliges. Je mehr wir Gott kennen lernen, desto ehrfurchtsvoller und demütiger werden wir in der Gegenwart Gottes. Doch prüf einfach mal deine Gebetshaltung. Wie redest du mit Gott? Sprichst du distanziert und immer mit allerhand frommen Fremdwörtern im Gepäck? Oder bist du echt, ehrlich und einfach authentisch?

Soli Deo Gloria,
wju

Bildquelle: Laurie Cosgrove

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1 Kommentar

  • Ich danke dir Waldemar für diese guten Worte zu Psalm 44. Überhaupt muss ich sagen, dass ich diese Website richtig gut finde (bin erst heute darauf gestoßen). Viele Artikel habe ich mit großem Gewinn gelesen. Danke dir! Gruß nach Emmendingen aus Goslar von deinem Kollegen in spe! 😉

    Martin