Aug 19, 2012 - Allgemein    6 Kommentare

Was wahre Größe bedeutet — eine Rezension

Timotheus #8 - Cover

Meinen Samstagnachmittag verbrachte ich in der Sonne mit einem Kaffee und meiner aktuellen Timotheus Ausgabe.

Ein noch sehr junges Magazin, ausgerichtet an eine ebenfalls überwiegend junge  Leserschaft. Jede Quartalsausgabe beschäftigt sich mit einem biblischen Thema (bspw. Glaube, Gottesfurcht, Frieden, Sünde etc.) und wird von verschiedenen Autoren mit unterschiedlichen Schwerpunkten entfaltet. Der optische Ersteindruck ist hervorragend, denn das Layout wirkt sehr durchdacht und mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet. Zu Beginn fragte ich mich, warum denn teilweise so viel freier Raum auf den einzelnen Seiten gelassen wird. Das bin ich von einer Zeitschrift gar nicht gewohnt. Hat die Redaktion etwa zu wenig Lesestoff für eine Ausgabe? Ich denke, das ist nicht der Grund. An den Stellen wo bei Timotheus „Freiraum“ herrscht, befindet sich in anderen Zeitschriften oftmals eine menge Werbung. Darauf verzichtet diese Zeitschrift. Beim Lesen wurde mir sogar dieser freie Platz sehr lieb. M.E. ist Timotheus so inhaltlich tiefgehend, dass dieser Raum perfekt für eigene Anmerkungen, Notizen und Gedanken dienen kann. Dieser „Mut zur Lücke“ gibt dem Magazin zudem eine gewisse optische Ruhe und Konzentration auf das Wesentliche.

Das Editorial leitet das Thema der aktuellen Ausgabe mit folgenden Satz ein:

Demut heißt die Wahrheit zu erkennen und darin zu leben.

Demut. Darum geht es in dem Heft. Jeder Artikel des Heftes beschäftigt sich intensiv damit. Wahrheit. Als Grundlage wird hierfür unmissverständlich die Bibel als Quellenmaterial für jegliche Erkenntnis verwendet. Hier ist das Bekenntnis der Autorenschaft mehr als eindeutig. Das ist eindeutig das Kapital von Timotheus.

Über die jeweiligen Artikel gibt es tatsächlich eine Menge zu berichten. Sehr viele treffende Aussagen habe ich entdeckt. Aussagen, die mir stark nachgegangen sind und mich zur bewussten Selbstprüfung geführt haben. Ich möchte hier nur stichhaltig einige Spitzen nennen.

Der erste Artikel ist mit einem Kickstart zu vergleichen. Es geht gleich in die Vollen! Es geht um die Demut Jesu Christi. Ein guter Ausgangspunkt bespickt mit sehr krassen Vergleichen und Konsequenzen. Im zweiten Artikel (online verfügbar: Mahnung zur Demut, sehr zu empfehlen) hat mich die Gegenüberstellung von Stolz und Demut begeistert.

Während der Demütige darauf bedacht ist, sich selbst zu erniedrigen, nutzt der Stolze jede Gelegenheit, um sich selbst zu erhöhen. (Waldemar Dirksen, Seite 9)

Es wird toll dargestellt, dass es sich bei wahrer Demut um eine lautere Herzenshaltung handelt und Demut als etwas ganz Grundlegendes in der Bibel behandelt wird. So verfasst der Autor abschließend für mich ein beeindruckendes „Hohelied der Demut“. Der dritte Artikel behandelt die Demut des Predigers C.H. Spurgeon (PDF-Download zur lesenswerten Autobiographie). Zeitweise fragt man sich, ob es nicht eigentlich ein Artikel über das „Wesen des Evangeliums“ werden sollte, doch letztlich wird sehr stark die Einheit zwischen Gottes souveräner Gnade, dem Evangelium Jesu und der geistgewirkten Demut aufgezeigt. Genial. Sowohl der vierte als auch der fünfte Artikel der achten Ausgabe beinhalten die meisten praktischen Hinweise für das Leben in göttlicher Demut. Dass der neutestamentliche Philipperbrief als ein „Brief über die Demut“ zu verstehen ist wird im letzten Artikel ausgelegt. Wunderbar wird festgehalten, dass es nicht um Moralisierung geht:

… es geht vor allem um die innere Einstellung des Herzens: um die Gesinnung. (Hans-Werner Deppe)

Zu beobachten ist, dass die Artikel des Heftes sehr wenig „Geplänkel“ beinhalten. Einleitende Worte, wo der Leser in seiner Situation abgeholt wird, sind rar. Das ist, denke  ich, eine Geschmacksfrage. Hier und da hätte ich mir vielleicht eine Prise mehr davon gewünscht. Zudem ist mir immer wieder aufgefallen, dass ich vergeblich den Autor selbst in den jeweiligen Artikeln gesucht habe. Wo ist er abgeblieben? An einigen Stellen hätte ich mir gewünscht, dass die Autoren sich stärker mit dem Thema identifiziert hätten, indem sie dem Leser einen Blick in ihr eigenes Herz gewähren. Während des Lesens dachte ich immer wieder: „Ja! Du hast damit völlig Recht! Aber wie kann ich das nun konkret umsetzen?“ An einigen Stellen fehlten mir Tipps und Anregungen zur praktischen Umsetzung. Manchmal begegneten mir Argumente, die ein wenig zu stark auf kli­schee­hafte Feindbilder gründeten. Das hätte m.E. nicht zwingend sein müssen.
Mir kam irgendwann die Idee, dass es vielleicht hilfreich wäre, das Magazin mit einer Wortstudie bzw. -analyse zu starten. Was ist Demut? Was verstand der Hebräer unter der Begrifflichkeit? Welche Eigenschaften beinhaltet der Begriff in der Sprache des Neuen Testaments (Koine-Griechisch)?

Den Umfang des Magazins erachte ich als gut. Die Artikel sind allesamt gehaltvoll. Ich vermute, dass es für den durchschnittlichen interessierten Leser genug Stoff ist, um ein Quartal lang ausreichend beschäftigt zu sein. Für den immer noch durstigen Leser wird am Ende der Zeitschrift auf gute weiterführende Literatur verwiesen.

Alles in allem bin ich von der aktuellen Ausgabe begeistert. Ich habe selber das Magazin abonniert und hoffe, dass auch du dem Magazin eine Chance gibst. Es lohnt sich. Mir fällt kein christliches Magazin mit einer solchen Ausrichtung ein!

Liebes Timotheus-Team, vielen Dank für eure bisherige Arbeit. Bleibt dran! Gott segne eure Arbeit reichlich.

Weiterführende Links:

Keine Frage: Das Cover-Foto ist ein sehr schönes Motiv. Eine Frage bleibt nur: Warum gerade ein Pferd? 😉

Soli Deo Gloria,
wju

Bildquelle: Timotheus Magazin

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6 Kommentare

  • Vielen Dank für die ermutigenden Worte! Sehr schöne und gelungene Rezension!!! Ja, warum ein Pferd? Das ist wohl der Running Gag dieser Asugabe 😉

  • Die Einwände bzgl. des „Abholens“ und der klischeehaften „Feindbilder“ bzw. das persönliche Einbringen der jeweiligen Autoren in die Artikel und die fehlende direkte praktische Anwendung sind uns bekannt und uns schon mehrfach angetragen worden. Damit hast du Recht!!

    Ich nehme diese Kritik an und bin mir bewusst, dass wir in diesem Bereich auf jeden Fall besser werden müssen. Allerdings würde ich eine ganz kleine Rechtfertigung bzgl. der „persönlichen“ Einbringung schreiben wollen. Das persönliche Seelenleben des Autors kann in der praktischen Anwendung des Artikels ein gutes Stilmittel sein um dem Artikel „lebendig“ und „praxisnah“ zu gestalten. Doch leider werden heute viele christliche Bücher und Magazine ausschlißelich mit diesem Aspekt gestaltet und wenn allein das Wort Gottes gepredigt wird, ist es nicht genug bzw. man wirkt altbacken und „von gestern“. Letztlich wollen wir Christus den Gekreuzigten und niemals (!) uns selbst predigen. Hier gilt es ein gutes Gleichgewicht zu finden. Ich sehe natürlich das Problem, aber das Wort Gottes wird niemals durch die eigene Erfahrung glaubwürder … 😉

    Für diese Kritik bin ich sehr dankbar und sie wird uns mehr von nutzten sein als kritiklose Lobeshymnen 😉 SDG.

    • Danke für den Link, Peter. Ja, der Artikel hat gute Aspekte. Unser Vertrauen auf das Wort sollte unumstößlich sein. Da bin ich voll deiner Meinung.

      Dennoch meine ich, dass uns bspw. Joh 17 einiges über das Gebet lehrt. Diese Dinge herauszuarbeiten und auf mein eigenes Gebetsleben anzuwenden und es somit fruchtbar werden zu lassen, steht m.E. nicht im Gegensatz zu diesen Aussagen. Von einem „How-To“ automatisch zu einem „law“ zu gelangen ist da ein wenig zu schnell gegriffen.

      Lk 11 ist ein guter Hinweis für eine typische „How-To“-Frage, die von Jesus mit einem klaren „You-Do“ beantwortet wird. 😉
      Sei gesegnet, wju

    • Ich lese derzeit das Buch „Evangelikale Predigtlehre“. Helge Stadelmann vertritt hier eine gesunde Sicht über das Wesen der Predigt. Die evangelikale Predigtlehre muss zweierlei leisten: „Erstens ein Predigtverständnis ein entwickeln, das darauf zielt, dass wirklich der biblische Text als Wort Gottes gepredigt wird. Und zweitens das berechtigte Anliegen aufzugreifen, dass konkret, lebensnah, situations- und hörerbezogen in anschaulicher sowie nachvollziehbarer Weise gepredigt wird. Das Predigtmodell, das beides verbindet, ist die kommunikative Auslegungspredigt.“

  • Eine weitere sehr lesenswerte Rezension zum Timotheus Magazin ist übrigens hier zu finden: http://www.nimm-lies.de/?p=4538