Jan 13, 2017 - Impulse    Kommentare deaktiviert für Religion ohne Emotion?

Religion ohne Emotion?

Wer mich kennt, weiß, dass ich systematischen Theologie, biblische Vorträge, lehrhafte Seminare, apologetische Debatten und auch ein wenig christliche Philosophie liebe. Ich glaube unser Land braucht mehr davon. Gleichzeitig muss ich mich, sowie jeder „Bibelstudent“ vor einem „doktrinären Ausgetrocknetsein“ hüten, wie mein guter Freund C.H. Spurgeon es einst formulierte. Der Zusammenhang seiner Aussage ist sehr lesenswert:

„… Um eine Seele zu gewinnen ist es notwendig, den Zuhörer nicht nur zu lehren und ihn dazu bringen, die Wahrheit zu kennen, sondern es ihm auch so einzuprägen, so dass er sie fühlen kann. Ein rein didaktischer Lehrdienst, der immer nur an das Verständnis appellieren würde und die Gefühle unberührt liesse, wäre sicherlich ein hinkender Dienst. “Die Beine des Lahmen sind ungleich”, sagt Salomo ; und die ungleichen Beine mancher Dienste legen sie lahm. Wir haben schon Leute so herumhinken gesehen, mit einem langen Bein der Doktrin, aber einem sehr kurzen des Gefühls. Es ist fürchterlich für einen Menschen so doktrin-betont zu sein, dass er kühl von der Verdammnis der Gottlosen sprechen kann; dass, wenn er Gott nicht sogar tatsächlich dafür preist, es ihm kein Herzensleid verursacht, an das Verderben Millionen unseres Geschlechts zu denken. Das ist entsetzlich!

Ich hasse es, die Schrecken des Herrn verkündet zu sehen von Menschen, deren harte Gesichter, harsche Töne und herzloser Geist eine Art doktrinäres Ausgetrocknetseins verrät: alle Milch menschlicher Freundlichkeit in ihnen ist versiegt und vertrocknet. Gefühlslos wie er ist, erzeugt so ein Prediger selbst keine Gefühle, und die Leute sitzen und hören während er bei trockenen, leblosen Aussagen bleibt, bis sie ihn als “solide” zu schätzen kommen und sie selbst auch solide werden: und ich muss nicht anfügen, auch solide eingeschlafen, oder das wenige an Leben, das sie haben, wird darin verbraucht, Irrlehre auszuschnüffeln und ehrliche Menschen wegen eines Wortes zu Übeltätern zu machen. Mögen wir ja nie in diesen Geist getauft werden!

Was auch immer ich glaube oder nicht glaube, der Befehl meinen Nächsten zu lieben wie mich selbst, behält seinen Anspruch auf mich, und Gott bewahre dass irgendwelche Ansichten oder Meinungen meine Seele so zusammenziehen und mein Herz so verhärten sollten, dass ich dieses Gesetz der Liebe vergässe! Die Liebe zu Gott kommt zuerst, aber das mindert in keiner Weise die Verpflichtung der Liebe zu Menschen; tatsächlich beinhaltet der erste Befehl diesen zweiten.

Wir sollten die Bekehrung unseres Nächsten suchen weil wir ihn lieben, und wir sollen mit ihm in liebenden Worten von Gottes liebender Heilsbotschaft sprechen, weil unser Herz sein ewiges Glück begehrt.

Ein Sünder hat sowohl einen Kopf als auch ein Herz; ein Sünder hat sowohl Gedanken als auch Gefühle; und wir müssen beide ansprechen. Ein Sünder wird nie bekehrt werden solange seine Gefühle nicht aufgerührt werden. Solange er nicht Trauer über seine Sünde fühlt, und solange er nicht ein Mass an Freude im Erhalten des Wortes findet, kann man nicht viel Hoffnung für ihn haben. Die Wahrheit muss in die Seele eindringen, und sie in ihrer eigenen Farbe färben. Das Wort muss wie ein starker Wind sein, der durch das ganze Herz fegt und den ganzen Menschen schaukelt wie ein Feld reifenden Maises in der Sommerbrise. Religion ohne Emotion ist Religion ohne Leben.“

Quelle: C.H. Spurgeon und Emotionen in der Predigt

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