Nov 7, 2016 - Impulse    1 Kommentar

Nein zur Judenmission?

israel

Die Evangelische Kirche in Deutschland scheint es mit ihren Verlautbarungen mal wieder besser zu wissen als die Jünger Jesu der ersten Stunde:

„Ein christliches Glaubenszeugnis, das darauf zielt, Juden zum Glauben an Jesus als Christus zu bekehren, widerspricht dem Bekenntnis zur Treue Gottes und der Erwählung Israels.“ (Quelle)

Wer es mal wagt seine Bibel zu öffnen wird recht bald erkennen, dass christliche Mission immer zuerst in den jüdischen Synagogen (!) begann:

In Damaskus
Apg 9,20: Und sogleich predigte er in den Synagogen Jesus, dass dieser der Sohn Gottes ist.

Auf Zypern
Apg 13,5: Und als sie in Salamis waren, verkündigten sie das Wort Gottes in den Synagogen der Juden.

In Antiochia
Apg 13,14: Sie aber zogen von Perge aus hindurch und kamen nach Antiochia in Pisidien; und sie gingen am Tag des Sabbats in die Synagoge und setzten sich.

In Thessalonich
Apg 17,1: Nachdem sie aber durch Amphipolis und Apollonia gereist waren, kamen sie nach Thessalonich, wo eine Synagoge der Juden war.

In Beröa
Apg 17,10: Die Brüder aber sandten sogleich in der Nacht sowohl Paulus als auch Silas nach Beröa; die gingen, als sie angekommen waren, in die Synagoge der Juden.

In Athen
Apg 17,17: Er unterredete sich nun in der Synagoge mit den Juden und mit den Anbetern und auf dem Markt an jedem Tag mit denen, die gerade herbeikamen.

In Korinth
Apg 18,4: Er unterredete sich aber in der Synagoge an jedem Sabbat und überzeugte Juden und Griechen.

In Ephesus
Apg 18,19: Sie kamen aber nach Ephesus, und er ließ jene dort zurück; er selbst aber ging in die Synagoge und unterredete sich mit den Juden.
Apg 19,8: Er ging aber in die Synagoge und sprach freimütig drei Monate lang, indem er sich mit ihnen unterredete und sie von den Dingen des Reiches Gottes überzeugte.

Es ist an dieser Stelle eigentlich unnötig zu erwähnen, dass die ersten Jesusnachfolger (!) gebürtige Juden waren und die Kirche in den ersten Jahren hauptsächlich aus Juden bestand. Wer keine Judenmission will, der verachtet das Jerusalemer (!) Pfingstereignis (die Mission tausender Juden und damit die Geburtsstunde der Kirche), und hat damit das Recht verwirkt, sich Kirche zu nennen.

Überlegt die EKD etwa sich des Evangeliums schämen zu wollen?

Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, ist es doch Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen. (Röm 1,16)

Hosianna!

Update (10.11.2016)

In einer weiterführenden Diskussion in den Sozialen Medien wurde mir entgegnet, dass die EKD-Verlautbarungen nicht so negativ bewertet werden könnten, da sie sicherlich als Beitrag im Rahmen einer kritischen Auseinandersetzung von Luthers Verhältnis zu den Juden zu bewerten seien. Mit diesen Ansatz solle demnach der „christlichen Judenfeindschaft“ vonseiten der EKD ein Ende gesetzt werden.

Doch macht dieser vorgeschlagene Deutungsrahmen die Äußerungen keineswegs richtiger oder annehmbarer. Selbst wenn Luther noch schlimmere Dinge getan hätte, rechtfertigt das nicht den Missionauftrag an Juden heute zu negieren. Hierfür wäre es ausreichend Fehler der Vergangenheit einzugestehen und von Herzen um Vergebung zu bitten. Stattdessen werden lieber biblisch unhaltbare missiologische Lehrsätze vorgelegt.

Bildquelle: Nicolas Raymond

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1 Kommentar

  • […] Die „Erklärung zu Christen und Juden als Zeugen der Treue Gottes“ gibt es hier. Einblicke in die theologische Begründung und in die geführte Diskussion sind auf der Internetseite  www.evangelisch.de zu finden. Waldemar hat einige Bibelstellen aufgeführt, die zeigen, dass der Apostel Paulus in die Synagogen gegangen ist, um seinen jüdischen Geschwistern das Evangelium zu verkündigen: http://www.jesus24.de. […]