Jul 18, 2014 - Allgemein    Kommentare deaktiviert für Muss ich der Bibel alles glauben?

Muss ich der Bibel alles glauben?

Holy Bible

Vor einigen Tagen fragte mich eine Frau aus dem Iran, ob man an die ganze Bibel glauben müsse, um Christ zu sein. Bevor ich ihr auf diese Frage eine ausführliche Antwort gab, fragte ich sie was denn die Hinderungsgründe für sie seien, um der Bibel völlig zu vertrauen. Im Gespräch haben sich zwei Dinge offenbart.

1. Das Wissen vom Hörensagen

Sie berichtete mir, dass sie von irgendjemanden gehört habe, dass die biblischen Texte von einem Mann in einer Nacht geträumt wurden und dieser die Texte anschließend dann aufzeichnete. Na herzlichen Glückwunsch. Irgendjemand sagt irgendetwas. Das Problem war leicht zu lösen. Ich zückte meine Bibel und schlug das Lukas-Evangelium auf. Ich las Lk 1,1-4 vor und zeigte ihr, dass die biblischen Texte nicht auf spekulativen Träumen basieren, sondern einer genauen Prüfung der Sachlage und Fakten unterzogen wurden. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Das gilt auch bei der Bibel.

2. Berichterstattung ≠ Offenbarung

Die nette Frau berichtete mir von einer biblischen Geschichte, die ihr sehr skurril erschien. Sie erzählte von zwei Mädchen, die ihren Vater mit Alkohol betäubten, um anschließend mit ihm in die Kiste zu steigen. Diese Geschichte ist hier nachzulesen: 1.Mose 19,30-38. So eine Darstellung in Gottes Wort hat meiner Gesprächspartnerin alles andere als zugesagt. Was war nun das genaue Problem? Meine Bekannte machte keinen Unterschied zwischen Bibelpassagen, in denen Gott seinen Charakter und seinen Willen offenbart und den Passagen, die menschliches Verhalten und Versagen schonungslos(er als wir manchmal wollen) wiedergeben. Ohne diese Unterscheidung wirkte der biblische Gott für sie alles andere als heilig und vertrauenserweckend.

Jesus ist vertrauenswürdig

Als die Missverständnisse aus dem Weg geräumt wurden, konnte ich ihr nun auf ihre Ausgangsfrage antworten. Zuerst versuchte ich ihr zu erklären, dass Christen in erster Linie nicht an ein Buch glauben, sondern an eine Person. In Übereinstimmung mit verschiedenen Aussagen des Neuen Testaments zeigte ich ihr schließlich auf, dass „wer an den Sohn glaubt, ewiges Leben hat; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.“ (Joh 3,36)

Doch wer an dieser Stelle aufhört zu reden, spricht nur die halbe Wahrheit aus. Das gesprochene Wort bildet immer eine untrennbare Einheit mit der sprechenden Person. Ich erklärte ihr, dass sich die Treue und Glaubwürdigkeit der Person Jesu, auf seine Worte überträgt. Dieser Jesus hat sowohl das Alte Testament als Gottes Wort geschätzt, als auch die Worte der Jünger autorisiert (Joh 17,20)! Diese Jünger erklärten, dass ihr schriftliches Wort identisch mit ihrem mündlich verkündigten Wort ist (1Joh 1,3f). Darum haben bereits schlaue Männer in der Vergangenheit richtigerweise festgestellt:

Die Autorität der Heiligen Schrift, aufgrund derer man ihr glauben und gehorchen soll, beruht nicht auf dem Zeugnis irgendeines Menschen oder einer Gemeinde, sondern vollständig auf Gott (der die Wahrheit selbst ist) als ihrem Autor. Sie muss also deshalb angenommen werden, weil sie das Wort Gottes ist.

Das baptistische Glaubensbekenntnis von 1689

Also, muss man an die ganze Bibel glauben, um Christ zu sein? Letztlich will ich die Frage mit einem ‚Ja‘ beantworten. Gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass bei einem Menschen, der frisch umkehrt und zum Glauben an Jesus Christus kommt, das Vertrauen in Gottes Wort wachsen kann und wachsen wird. Das vollständige Vertrauen in Gottes Worte ist kein zwingender Automatismus, aber ein kontinuierliches Wirken des Heiligen Geistes.

Ps 119,140) Wohlgeläutert ist dein Wort, dein Knecht hat es lieb.

Soli Deo Gloria,
Pastor Waldemar

Bildquelle: Stefan Giuliani

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