Jun 29, 2012 - Allgemein    9 Kommentare

Luxusprobleme?

Weinendes Mädchen in der Ecke„Houston, wir haben ein Problem!“ ist das berühmte Zitat der tragisch gescheiterten Mondmission Apollo 13. Ein Problem, wo es um Leben und Tod ging. Aber mal ehrlich, sind das unsere Probleme? Existenzielle Probleme um Leben und Tod? Einen Mangel an Lebensmittel ist beispielsweise nicht festzustellen. Oder musstest du in deinem Leben schon tatsächlich einmal richtig hungern? Haben wir nicht alles was wir brauchen, sogar mehr als wir brauchen? Die einzigen gravierenden Probleme, die wir zu haben scheinen, sind doch bloß Luxusprobleme. Beispielsweise die verlorene EM 2012 gegen Italien am gestrigen Abend. Man könnte meinen, dass einige von uns Deutschen bei dieser so ärgerlichen Niederlage mehrere Tode gestorben sind.

Also: keine Probleme – maximal Luxusprobleme!

Doch stimmt das wirklich? Die letzten Monate haben mich anderes gelehrt. Es gibt massive Probleme! Nein, ich rede nicht von Finanzkrisen oder Konjunkturrückgängen. Davon berichten bereits die Nachrichten reichlich. Die Probleme, von denen ich rede, sind Burn-Outs, echte Lebenskrisen und Depressionen. Das sind längst keine Erwachsenenprobleme mehr, wie man vielleicht landläufig denkt.

In den letzten Monaten hatte ich vermehrt Kontakt zu verschiedensten Teenies und Jugendlichen (verstreut in Deutschland). Es waren Begegnungen, die mich zutiefst erschütterten. Jugendliche, die oft nach außen hin abgeklärt sind. Distanzierte Persönlichkeiten: cool und lässig. In der Gruppe sind sie unnahbar, lassen nichts zu nah an sich heran. Doch in 4-Augen-Gesprächen brach die harte Schale. Geheimnisse, Ängste und große Trauer wurden offen besprochen. Depressionen, Selbstmordversuche, Beziehungslosigkeit im „angeblichen“ Freundeskreis, Magersucht, Mobbing in den Schulen, kaputte Elternhäuser. Das Traurige daran ist: Es waren (leider) keine Einzelfälle. Und was noch viel trauriger ist: Obwohl fast jeder einen großen Kreis an Bekanntschaften hat, hat niemand jemanden zum Reden. Also einen echten Freund, der dir zuhört, wenn’s dir dreckig geht.

Die Bibel spricht über Freundschaft sehr direkt:

Zu jeder Zeit gilt dir die Liebe eines Freundes, wie ein Bruder ist er dir in der Not. (Spr 17,17)

Viele Jugendliche kennen solche Freundschaften gar nicht, haben sie nie erlebt. Woran liegt das? Bitte schau dir in den nächsten knapp zwei Minuten folgendes Video an, bevor du weiter liest.

Meiner Meinung nach ist dieses Video mit der versteckten Kamera unglaublich genial! Es ist so interessant zu sehen, wie einfach die Fahrtstuhlgäste zu manipulieren sind. Sobald sich alle eingeweihten Personen im Fahrstuhl identisch verhalten, übernehmen die Testpersonen sämtliche Abläufe. Doch ich denke, dass dieses Video mehr verdeutlicht!

Fahrtstuhl fahren ist für viele Menschen eine äußerst unangenehme Situation. Gerade hast du dich noch unterhalten und bist plötzlich in einem engen Raum mit fremden Menschen zusammen. Im nächsten Moment verstummen alle Gespräche. Niemand weiß warum, es scheint so etwas wie ein ungeschriebenes Gesetz zu sein. Man hinterfragt dieses Verhalten auch nicht. Die meisten fügen sich, machen einfach mit.

Diese Form von Gruppenzwang ist ein täglicher Begleiter in unserem Leben. Unsere Taten tun wir oft nicht aus persönlicher Überzeugung, sondern aufgrund von Erwartungen innerhalb unserer Clique. Doch wohin führt das? Erwartungsdruck. Erwartungen, die auf uns wie ein Hagel reinprasseln und uns derart unter Druck setzen können, dass viele (nicht nur Jugendliche) daran untergehen. So unangenehm und aussichtslos es auch für uns ist, nach außen hin bleiben wir gefasst — obwohl es in unserem Innern oft ganz anders aussieht. Das Resultat: gebrochene und verletzte Persönlichkeiten.

Der Ausweg heißt: Raus aus dem Gruppenzwang, raus aus dem Erwartungsdruck! Ab in die Freiheit.

In der Bibel heißt es:

Der Herr aber ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, ist Freiheit. (2Kor 3,17)

Doch ist das Gegenteil von Gruppenzwang einfach nur egoistische Selbstbestimmung? Ich glaube, dass wir dann die Bibel gehörig falsch verstehen würden. Ja, Gott wünscht sich, dass wir Menschen frei sind. Was Gott darunter versteht, wird an den beiden weiteren Bibelstellen deutlich:

Ihr seid ja zur Freiheit berufen, liebe Brüder! Nur benutzt die Freiheit nicht als Freibrief für eure eigenwillige Natur, sondern dient einander in Liebe. (Gal 5,13)

Lebt als freie Menschen, die Sklaven Gottes sind, und missbraucht eure Freiheit nicht als Deckmantel für das Böse. (1Petr 2,16)

Freiheit? Keine Eigenwilligkeit? Freie Menschen? Sklaven Gottes?
Und das alles gleichzeitig? Paradox! Was denn nun?

Gott befreit uns aus äußeren Zwängen und versetzt uns in die Freiheit. In eine Freiheit, in der wir das tun können, was er möchte. Als Sklaven verschreiben wir uns Gott voll und ganz. Nicht mehr meine Clique bestimmt über mein Verhalten, auch nicht mehr ich allein, sondern alleine Gott. Ein Leben, das von Gottes Gedanken und Gottes Liebe durchflutet ist. Wenn wir Gott vertrauen und ihm glauben, verspricht er uns:

Was kein Auge je gesehen und kein Ohr jemals gehört, was keinem Menschen je in den Sinn kam, das hält Gott für die bereit, die ihn lieben. (1Kor 2,9)

Komm mit deinen Schwierigkeiten und deinen Problemen direkt zu Gott.
Er will dir helfen, dich segnen und dir Gutes tun!

Soli Deo Gloria (allein Gott die Ehre),
wju

Bildquelle: Baker131313

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9 Kommentare

  • Sehr guter Artikel mit guten Impulsen zum nachdenken!

    • Danke Peter für deine Unterstützung! Gott mit Dir! wju

  • Wirklich interessante Gedanken – der zuhörende Gott.
    Ich frage mich nur, ob viele von diesen Problemen nicht auch ‚Evangeliumsprobleme‘ sind oder werden können. Wenn wir das Evangelium in der Tim Keller Variante ausdrücken – In uns selbst sind wir sündiger als wir jemals gedacht haben aber in Christus wir geliebter als wir jemals zu hoffen gewagt hätten – dann kann sich vieles vom Erwartungsdruck verlieren. Das Problem besteht dann darin, in der Gemeinde/Jugendgruppe/Hauskreis/Blog eine Atmosphäre zu schaffen, die von diesem Evangelium bestimmt ist; in der Fehler erlaubt sind; in der Heiligung gefördert wird; in der Gaben eingesetzt werden sollen; in denen Freude von Gott gespeist wird.
    Das macht es nicht einfach – will ich nicht sagen! Aber vielleicht ist es ein Ansatz, der uns die Last von den Schultern nehmen kann, immer alles zusammen zu haben!

    Beste Grüße,
    Restless Evangelical

    • Lieber Restless Evangelical,

      danke für deine Gedanken.
      Wenn die oben dargestellten Probleme und der damit einhergehende Erwartungsdruck tatsächlich in einer Gemeinde zu finden ist, dann frage ich mich, welches Evangelium – also welche GUTE Nachricht – dort ge- und erlebt wird. Kirchengemeinden sollten ein Ort sein, so wie du es bereits beschrieben hast. In einem Song von Jason Bellard heißt es: „We need to repent and turn from our ways and overcome as He overcame.“ Das ist unser Auftrag: Zu Gott zu kommen mit all unserer Last, die uns auf den Schultern gebunden ist. Anschließend können wir mit Gottes Kraft völlig befreit Herausforderungen, Versuchungen und Sünde überwinden, weil Jesus sie überwunden hat (Röm 8,37)!

      Gott mit Dir!
      wju

      • Ich denke nicht, dass wir Gemeinde auf dieser Seite der Ewigkeit zur sehr idealisieren sollten! Gemeinde SOLLTE ein Ort sein – ist es aber nicht immer; ich würde vom NT her sagen, dass die wenigsten Gemeinden in diesem Idealzustand existiert haben. Wenn wir die sieben Gemeinden in der Offb nehmen; oder Korinth usw. Gemeinde sind immer Sünder auf dem gemeinsamen Weg zur Herrlichkeit – aber noch nicht angekommen. Es kann also diesen Erwartungsdruck durchaus auch in einer guten Gemeinde geben – gerade den. Und alles andere, vor allem in Jugendgruppen, kann eine Auswirkung davon sein, dass wir in dieser Welt leben, und von ihr geprägt werden, unweigerlich – oder? Ich will ja gar nicht sagen, dass es ein Idealzustand ist oder dass ich mir eine solche Gemeinde wünsche. Ich denke nur, dass der Erwartungsdruck nicht gerade gemindert wird, wenn wir Gemeinde idealisieren!

        • Idealisierung ist ganz gewiss nicht meine Absicht. In den zitierten Versen sieht man, dass an christliche Gemeinden geschrieben wurde. An Menschen, die mit Gott leben und ihr Leben in seinem Sinn gestalten wollen. Dass hier Korrekturen immer und immer wieder notwendig sind ist selbstredend. -> 1Joh 1,8
          wju

  • Ich mus sagen dieser Text berührt mich und andere Jugendlichen wahrscheinlich sehr..

    Das schwierige ist aber oftmal auch das Vertaruen zu Gott. Mann sagt Gott seine Probleme, aber man hat im Hinterkopf noch, einen „Plan b“.
    Daher ist es nicht so einfach gott, alle seinen Kummer zu sagen, was einen belastet.

    Was ich allerdings noch nicht verstehe, wie das mti dem Gruppenzwang gemeint ist? Jugendliche, aber auch Erwachsene passen sich an, jedoch verstehe ich nicht, wie das mit den Problemen wie: Depressionen etc. in Verbindung zu setzten ist.

    Liebe Grüße
    Angel

    • Ich danke dir – „Angel“ – für dein Feedback und deine ehrlichen Worte. Weißt du, Jesus sagte einmal: „Ich bin die Auferstehung und das Leben! Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ (Johannes-Evangelium 11,25)
      Was ist das für ein Mann, der so etwas von sich behaupten kann? Aber das ist noch längst nicht alles. Er fordert sogar von den Menschen, dass sie ihm das sogar noch abkaufen, ja, ihm völlig glauben sollen. Ich glaube, dass Gott unsere Herzen und unsere Zweifel sehr gut kennt. Er nimmt sie ernst, wünscht sich aber dennoch, dass nichts zwischen uns und ihm steht. Dass also keine Hindernisse im Wege sind.

      Wenn du merkst, dass dir Vertrauen zu Gott fehlt, dann mach folgendes zu aller erst: BETE zu Gott und bitte ihn um Vergebung, dass dir das nötige Vertrauen fehlt und bitte ihn dir Vertrauen zu SCHENKEN! In der Bibel heißt es: „Ihr habt nicht, WEIL ihr NICHT BITTET“ (Jak 4,2) Du darfst zuversichtlich sein. Sprich mit Gott. Er hört dich. Er wird dir antworten.
      Außerdem: Lerne Gott kennen! Erfahre, dass er vertrauenswürdig ist. Wie? Lies deine BIBEL, hier zeigt sich Gott. Wende im Alltag das Gelesene an. Du wirst sehen, wie Gott sich zu dir stellt und deine Gedanken und Gewohnheiten verändern wird. Irgendwann wird es für dich völlig absurd scheinen, Gott nicht mehr zu vertrauen. Denn du hast persönlich in deinem Leben erfahren, was er dir in der Bibel verspricht.

      Nun noch kurz zu deiner Frage. Die oben aufgeführten Probleme sind kein Automatismus. Das heißt, nicht jeder wird aufgrund von Gruppenzwang automatisch depressiv, suizidgefährdet und magersüchtig. Was ich sagen möchte ist, dass Gruppenzwang zum Erwartungsdruck führen kann und auch sehr oft dazu auch tatsächlich führt. Dieser belastende Erwartungsdruck ist so groß, dass wir Schaden davon nehmen. Es kann zu Verhaltensstörungen kommen. Das ist die Verknüpfung zwischen Gruppenzwang und Problemen. Ich hoffe, dass das nun ein wenig deutlicher wurde.

      Ich danke dir noch mal ganz herzlich für dein Kommentar und deine Offenheit.

      Ich möchte dir folgenden Vers mit auf den Weg geben. Vielleicht hilft es dir, wenn du ihn dir abschreibst und auf deine Tür klebst, damit du daran erinnert wirst, bevor du dein Zimmer verlässt. 🙂

      Psalm 9,11) Auf dich vertrauen diejenigen, die deinen Namen kennen. Denn du lässt die nicht im Stich, die dich suchen, HERR.

      Gottes Segen!
      wju

  • Vielen Dank für deine ganzen ausführlichen Antworten:)

    Das mit dem Psalm mache ich aufjedenfall: genauso wie alles andere. Danke dir für diese Tipps:)

    Und danke auch für die Antwort auf meine Frage, mir ist einiges klarer geworden

    Liebe Grüße und Gottes segen
    Angel