Sep 29, 2016 - Impulse    Kommentare deaktiviert für Interview im Timotheus Magazin

Interview im Timotheus Magazin

waldemarjustus

Folgendes Interview vom 6. Mai 2015 führte Peter Voth mit mir für das Timotheus Magazin, welches in der Ausgabe #20 „Die Liebe Gottes“ veröffentlicht wurde.

Interview mit Waldemar Justus

Trotz seines jungen Alters übernimmt Waldemar bereits viel Verantwortung als Pastor einer EFG. Im Gespräch erzählte er uns nicht nur wie er zum Glauben und schließlich zur Berufung als Pastor kam, sondern auch wie er mit Bibelkritik im Theologiestudium umging.

Waldemar, du gehörst zu einer neuen und reformatorischen Generation von Pastoren. Kannst du uns zunächst erzählen wie du überhaupt in Berührung mit den christlichen Glauben gekommen bist?

Ich bin ganz „unspektakulär“ in eine christliche Familie hineingeboren. Mein Großvater war bereits in der ehemaligen Sowjetunion als ehrenamtlicher Prediger tätig. So hat meine ganze Familie schon früh Berührung mit dem christlichen Glauben gehabt. Meine Eltern haben mich demnach auch im Glauben erzogen, wofür ich Gott – je älter ich werde – immer dankbarer werde.

Ja, das ist ein „Weg“ den viele von uns kennen und auch schätzen. Dennoch ist es für viele, die im christlichen Glauben erzogen werden, nicht leicht in die konkrete Nachfolge Christi zu treten. Wie kamst du zum rettenden Glauben?

Als Kind gab es bei mir keine besonders rebellische Glaubensphase. Doch obwohl ich als sogenanntes „Christenkind“ sämtliche Bibelgeschichten kannte, durfte ich schon sehr früh (mit neun Jahren) durch meinen Bruder die Auswirkungen des Evangeliums ganz persönlich an mir erfahren. Erst einige Jahre später ließ ich mich als Teenager mit einer klaren Überzeugung taufen. Als Jugendlicher habe ich durch das Lesen des ganzen Neuen Testaments und die konkrete Beschäftigung mit dem Heiligen Geist immer tiefer in eine hingegebene Nachfolge gefunden.

Trotz deines noch sehr jungen Alters bist du inzwischen Pastor der EFG Emmendingen. Wann ist bei der der Entschluss gereift, dass du Pastor werden möchtest?

Bevor ich Pastor geworden bin, habe ich noch etwas „Ordentliches“ gelernt (grinst). Während meiner Ausbildung zum Mediengestalter begann ich parallel in meiner Heimatgemeinde zu predigen. Diese ersten Predigterfahrungen haben in mir ein anfängliches Fragen bzgl. einer pastoralen Berufung bewirkt. Das war kein einfacher Prozess, da ich mich aufgrund mangelnden Selbstbewusstseins nicht für geeignet hielt. Hinzu kam, dass ich aus dem Jakobusbrief wusste, dass man nicht leichtfertig Lehrer im Reich Gottes werden soll, da diese eine schwereres Gericht erwartet. Ich brauchte also einen absolut klaren Auftrag von Gott, ansonsten würde ich dem nicht weiter nachgehen. So betete ich zu Gott und schüttete ihm mein Herz aus mit der Bitte um eine glasklare Antwort. Ob man es glaubt oder nicht: Innerhalb eines Monats erhielt ich die Antwort in einem Gottesdienst durch ein an mich adressiertes Wort eines Pastors aus der damaligen Nachbargemeinde. Er antwortete auf konkrete Phrasen meines privaten Gebets, von dem niemand etwas wissen konnte. So etwas hatte bis dahin noch nie zuvor erlebt. Ich wusste: Gott ruft mich! Zu der Zeit war ich etwa 20 Jahre alt.

Wie ging es dann weiter? Wie bist du mit diesem Ruf umgegangen?

Anfangs waren in mir die Zweifel so groß, dass ich Schwierigkeiten hatte diesen Ruf wirklich anzunehmen. Waldemar, du kannst das einfach nicht machen. Pastoren sind besondere Menschen, mit besonders viel Bildung, Menschen die besonders gut reden können usw. Ich weihte Gott in meine Not ein und Gott leistete besonders in den Zeiten des Gebets weitere Überzeugungsarbeit, insbesondere durch sein biblisches Wort. Ich beschloss nach meiner Ausbildung ein Theologiestudium zu beginnen, um mich auf den Dienst vorzubereiten.

Inwiefern hat das Theologiestudium deinen Glauben geprägt?

Bevor ich das Studium begann hatte Gott mich „vorgewarnt“, dass ich durch eine Zeit der Wüste gehen würde. Als ich endlich voller Elan mein Theologiestudium begann, wusste ich welche Wüste gemeint war. Ich habe mein Studium ehrlich gesagt zu weiten Teilen als nicht glaubensstärkend erlebt. Allmählich dämmerte mir es, woran unsere Glaubens- und Gemeindelandschaft in Deutschland zu weiten Teilen leidet, warum es an Vollmacht und Wirkungen des Heiligen Geistes fehlt. Erstmals kam ich in Berührung mit einer vollen Ladung der sogenannten historischen Bibelkritik. In vielen Vorlesungen und Seminaren wurde an wesentlichen Fundamenten des Glaubens und besonders an den entscheidenden Lehren von der Inspiration und Autorität der Heiligen Schrift gerüttelt. Ich war in dieser Zeit sehr herausgefordert, doch im Nachhinein stelle ich fest, dass ich durch meine Umstände gezwungen war, Gottes Wort in einer Tiefe persönlich zu studieren, wie noch nie zuvor in meinem Leben.

Ich kann mir denken, dass so ein bibelkritisches Umfeld auf lange Sicht hilfreich sein kann, wenn man fest im Glauben steht. Man lernt sein eigenes Glaubensfundament zu hinterfragen und später zu verteidigen. Siehst du das auch so?

Gott hat mir in seiner Gnade in dieser Wüstenzeit eine Oase geschenkt: einen kleinen Gebetskreis mit dem ich die ganzen Jahre täglich vor dem regulären Unterricht Gottes Wort studierte und betete. Wir sagten uns: Gott, wenn dein Wort Wahrheit ist, dann musst du uns deine Wahrheit in aller Klarheit erschließen. Ich kann bezeugen, Gott ist absolut treu. Unser Glaube wurde alles andere als geschwächt, denn wir konnten deutlich Gottes Weisheit auf jeder Seite und in jeder Zeile erkennen. Diese intensive Beschäftigung hat die Bibel immer mehr zum Leuchten gebracht und letztlich unseren Glauben unumstößlich gefestigt. Hallelujah!

Gott die Ehre dafür. In deiner Arbeit als Prediger, Blogger und auch Autor scheinen immer wieder die reformatorischen Gnadenlehren durch. Wie bist du auf reformatorische Lehre aufmerksam geworden?

Das habe ich vor allem Nathanael Armisén und Peter Schild zu verdanken, die Teil des bereits genannten Gebetskreises waren.

Haben dich dabei bestimmte Bücher oder Prediger besonders geprägt?

Besonders beeindruckend waren für mich anfangs die Predigten von Paul Washer und John Piper. Darüber hinaus halfen mir Bücher wie Die Lehren der Gnade (J.M. Boice) und Die Souveränität Gottes (A.W. Pink) die. Die vielen Schriften „meines guten Freundes“ C.H. Spurgeon (grinst) haben mich zudem fasziniert, da Spurgeon immer wieder komplexe Sachverhalte mit einer Schlichtheit, Klarheit und Deutlichkeit beschreibt, die einfach unübertrefflich ist. Darüber hinaus profitiere ich bis heute von Glaubensbrüdern wie Wayne Grudem, Sam Storms, D.A. Carson, G.K. Beale, Paul Tripp, Mark Dever, R.C. Sproul, Timothy Keller usw.

Danke dir für die Einblicke. Zum Abschluss noch unsere 10 Fragen die wir jedem unserer Interview-Partner stellen. Bereit?

Okay.

Welcher biblischen Person (außer Jesus) würdest du gerne welche Frage stellen?

Aufgrund meiner derzeitigen Beschäftigung mit dem Thema „Ehe, Scheidung und Wiederheirat“ würde ich gerne Paulus über die Möglichkeit einer Wiederheirat geschiedener Personen befragen.

Schwierigste Bibelstelle?

„Seid heilig, denn ich bin heilig!“ (1. Petrus 1,16)

Bevorzugte Bibelübersetzung?

Auf Deutsch die „Revidierte Elberfelderübersetzung“ und auf Englisch die „English Standard Version“ (ESV).

Mit welcher Person der Bibel kannst du dich am ehesten identifizieren?

Mit Petrus, der immer wieder Schwierigkeiten damit hatte, seinen Eifer in die richtigen Bahnen zu lenken und durch seine Lebensschule lernte, sein ganzes Vertrauen allein auf Christus zu setzen.

Welche Person der Kirchengeschichte würdest du gerne einmal treffen?

Das ist einfach: C.H. Spurgeon! Ich würde gerne seine Bibel-durchtränkten und gleichzeitig lebensnahen Predigten live miterleben!

Was war das letzte Buch, das du gelesen hast?

Ich neige dazu viel parallel zu lesen. Aktuell würde ich sagen „The Spirit-Filled Church“ von Terry Virgo und „God, Marriage, and Family – Rebuilding the Biblical Foundation“ von Andreas Kostenberger und David W. Jones.

Welches Buch wolltest du schon immer einmal lesen?

Den Koran und „Das Kreuz“ von John Stott.

Was bedeutet für dich Reformation?

Stetige Erneuerung des Glaubens an Jesus Christus durch Gottes Wort und in der Kraft des Heiligen Geistes.

Bestes Zitat?

Da würde ich spontan drei nennen: Erstens mein Motto Psalm 19,15 („Lass die Reden meines Mundes und das Sinnen meines Herzens wohlgefällig vor dir sein, HERR, mein Fels und mein Erlöser!“). Dann zweitens: „Jesus Christus kam, um eine Schuld zu bezahlen, die er nicht hatte, weil wir eine Schuld hatten, die wir nicht bezahlen konnten.“ Und drittens: „God is most glorified in me when I am most satisfied in him“ (John Piper).

Was bedeutet Jesus für dich?

ER ist das Zentrum und das Ziel meines Lebens. In allem hat ER den Vorrang. Die Liebe, die ER mir erwiesen hat, erfüllt mich mit Demut und unaussprechlicher Freude. Jesus Christus ist mein Freund, den ich liebe und mein König, den ich anbete.

Danke dir für deine Zeit und die interessanten Einblicke in dein Leben und Dienst. Das wissen wir sehr zu schätzen!

Sehr gerne, ich habe zu danken.

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