Okt 25, 2012 - Allgemein    1 Kommentar

Hör auf dein Herz! … ganz sicher?!

Mit ganzem Herzen

Ein Gastartikel von Adrian Wild.

„Hör auf dein Herz!“ Solche und ähnliche Ratschläge hört man, wenn eine schwerwiegende Entscheidung bevorsteht und sich keine Option eindeutig durchgesetzt hat. Und natürlich kennt jeder diese Weisheit aus Hollywood. Da gilt es, auf das Bauchgefühl zu hören. Oder auf sein Herz. Oder auf seinen Instinkt. Wir haben viele Begriffe dafür, wenn wir in unserer von rationalen Überlegungen bestimmten Welt in kritischen Situationen auf etwas zurückgreifen, was wir nicht so leicht fassen können und was wir dennoch in uns vernehmen, was wir eher fühlen als denken. Und damit sind wir auch gar nicht so schlecht beraten. Schließlich ist unser Kopf nicht zur Hälfte hohl, sondern Frauen und Männer leben mit einer linken und rechten Gehirnhälfte, sind rational sowie emotional. Ganzheitlich in einer Krise – einer Entscheidungssituation – vorzugehen, ist sinnvoll und weise.

Das Buch der Sprüche gehört zu den biblischen Büchern, in denen viel Lebensweisheit niedergeschrieben wurde. Dort steht ein Vers, der mich selbst schon mal in einer entscheidenden Lebensphase weitergebracht hat. In Spr 3,5 ist zu lesen:

Vertraue auf den HERRN von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand.

Da haben wir es, auf der einen Seite das Herz und auf der anderen Seite den Verstand. Klassisch. Auf der einen Seite das eher Emotionale, Ganzheitliche und auf der anderen Seite die klare, trockene Logik. Unsere Logik ist nicht immer unser bester Berater im Leben, denn dieses ist erfahrungsgemäß meistens mehr als nur oder nicht einmal logisch.

Und das Herz? Ist das vertrauenswürdig? Gott stellt in der Geschichte von der Sintflut fest, dass das Bestreben des menschlichen Herzens von seiner Jugend an böse ist (1Mo 8,21). Und auch Jesus Christus erklärt, dass von innen, aus dem Herzen des Menschen, die bösen Gedanken, ja sogar Mord kommen (Mk 7,21). Da ist ja das Herz ein ganz toller Ratgeber. Das weiß nur nicht jeder. Was in den Bibelstellen schon deutlich wird und was ich besonders hervorheben möchte: Wenn die Bibel vom Herzen spricht, dann meint sie nicht zuerst Gefühle oder Verliebtheit oder Intuition oder so. Das Herz steht für das Innere, das Verborgene und das Geheime des Menschen. Außerdem ist das Herz der Ort der Entscheidungen, des Willens, auch der Einsicht. Das geht in eine ziemlich andere Richtung als das, womit wir landläufig diesen Begriff füllen. Im Vergleich zu unserem Verständnis ist die biblische Bedeutung also in die andere Richtung ganzheitlich, hin zum Bewussten.

Vielleicht willst du mir schon längst widersprechen, weil dir aufgefallen ist, dass ich mit dem Vers aus den Sprüchen unfair umgegangen bin. „Da steht doch gar nicht vertrau auf dein Herz!“, denkst du dir. Gut erkannt. 🙂 Der Vers will das Vertrauen auf Gott lenken, weg vom Verstand. Da nun klar ist, dass sich im biblischen Denken Herz und Verstand nicht unterscheiden wie Gefühl und Logik, liegt die Pointe dieses Verses etwas woanders. Vielleicht ist es etwas gewagt, zu übersetzen

„Verlass dich auf den HERRN von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf dein Herz“ oder „Verlass dich auf den HERRN mit deinem ganzen Verstand und verlass dich nicht auf deinen Verstand“,

aber ganz falsch ist es nicht. Was hat das nun mit meiner eingangs zitierten Lebensweisheit zu tun? Nun: Das „Hör auf dein Herz“ greift eindeutig zu kurz. Dass wir mit unserem eigenen Latein immer wieder mal am Ende sind und unbegreifliche Ergänzung brauchen, sei uns zugestanden. Doch die Bibel rät uns nicht stattdessen einfach unserem (Bauch-)Gefühl zuvertrauen. Ich würde deshalb jemandem im Sinne der Bibel raten: „Hör mit deinem Herzen …“ – mit deinem Wollen, mit deinem Empfinden, mit deinen Überlegungen – „… auf den HERRN!“ Denn Gottvertrauen, Überlegungen, Willensentschlüsse und Gefühl schließen sich keineswegs aus! Im Gegensatz zu unserem Inneren, unsere Gefühle eingeschlossen, ist Gott nicht trügerisch.

Ich ermutige dich, dass du dich in Krisensituationen mit allem – deinen Gefühlen und deinem Verstand – voll auf Gott verlässt. Das ist meistens unbegreiflich – denn Ihn kriegt keiner zu greifen – aber Er ist absolut zuverlässig!

Adrian WildBei diesem Blogpost handelt es sich um einen Gastartikel. Adrian Wild ist Theologiestudent und Gemeindemitglied der baptistischen Kirchengemeinde Berlin-Spandau-Wilhelmstadt.

 

Bildquelle: Stephen Ramkissoon

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1 Kommentar

  • Hey,
    ich bin soeben auf deinen Blog gestoßen und ich muss sagen der erste Eindruck gefällt mir. Dieser Text kam für mich zu richtigen Zeit. Danke dafür!

    Liebe Grüße
    Gina