Nov 22, 2012 - Allgemein    3 Kommentare

Gefangen im Teufelskreis der Sünde

Kettenschloss

Du bist vielleicht schon seit einiger Zeit Christ. Du hast Gemeinschaft mit anderen Christen und teilst deinen Glauben mit Menschen aus deiner Kirchengemeinde. Die Sache ist für dich klar: Dein Leben ist grundsätzlich auf Gott ausgerichtet. Deine Entscheidung Jesus nachzufolgen ist beschlossen, daran besteht für dich kein Zweifel. Doch von deinen inneren und persönlichen Kämpfen mit bestimmten Sünden weiß niemand. Du darfst schließlich nicht dein Gesicht bzw. deinen „Heiligenschein“ verlieren. Doch irgendwie löst sich das Problem nicht von allein. Die Situation ist festgefahren und du bist zurecht verzweifelt. Du bist sogar von dir enttäuscht, oder vielleicht sogar von Gottes mangelnder Unterstützung?

Oft begegnet mir unter Christen ein sehr weitreichendes und für die jeweiligen Betroffenen ein total zermürbendes Problem. Ich nenne es ganz gerne das Problem der Lieblingssünde. Doch was meine ich damit?

Das Problem der Lieblingssünde

Jesus Christus sprach mit seinen Freunden öfter darüber, dass jeder Einzelne darauf aufpassen solle nicht in Versuchung zu fallen (Mt 26,41). Was meinte Jesus damit? Kurz gesagt: Wir sollen einfach darauf achten, dass wir nicht zur Sünde verführt werden. Gott hat eine konkrete Vorstellung vom Leben, quasi einen perfekten Plan für uns Menschen. Er wünscht sich, dass unser Leben nicht im Widerspruch zu dem steht, wie er es sich eigentlich gedacht hat. Jesus lebte so ein Leben. Ein Menschenleben gestaltet nach den wunderbaren Prinzipien Gottes (Joh 8,46). Jesus rebellierte nicht, er war Gott gehorsam, weil sein Vater im Himmel ihn lieb hat (Joh 15,10).

Auch wenn Jesus selber jeder Versuchung standhalten konnte (Lk 4,13; Lk 22,28), sehen wir in der Bibel ganz viele Menschen, die von der Sünde verführt wurden. Nicht umsonst hat Jesus seinen Freunden in einem Gebet gezeigt, dass sie Gott darum bitten sollen eben nicht in Versuchung zu fallen (Mt 6,13). Doch von welcher Versuchung sprach Jesus?

Ich glaube, dass man keine eindeutige Antwort auf diese Frage finden kann. Das brauchen wir auch nicht. Denn jeder Mensch ist unterschiedlich. Vielleicht bist du für Dinge anfällig, mit denen ich überhaupt keine Probleme habe. Darauf kommt es nicht an. Fest steht, dass jeder von uns bestimmte Neigungen in sich trägt. Mit der Zeit merken wir vielleicht, dass unsere Neigungen mehr Raum in unserem Handeln einnehmen, als wir das eigentlich ursprünglich vorhatten. Aus einer Neigung entsteht ein Bedürfnis bzw. eine Liebe. „Darf ich vorstellen? Das ist ihre Lieblingssünde.“

Aus dieser Liebe, der inneren Verpflichtung und der Gebundenheit zur Sünde wächst ein Kreislauf, ein Teufelskreis.

Der Teufelskreis

Diese bestimmte Lieblingssünde ist (wie auch immer) inzwischen Teil deines Lebens geworden. Wenn sie nach dir ruft, dann zögerst du nicht lange und läufst ihr hinterher. Du führst eine Beziehung mit ihr, eine Liebesbeziehung. Lies dazu Sprüche 5, wenn du möchtest.

Dabei ist es eigentlich egal, worum es sich konkret handelt. Wer meint, dass davon nur die typischen Tabuthemen betroffen sind, ist auf der falschen Fährte. Auch wenn Sünden wie Pornographie, Ehebruch, Selbstbefriedigung usw. erhebliche Schäden anrichten können (weil sie oftmals nicht nur Spuren im eigenen Charakter hinterlassen, sondern auch in zwischenmenschlichen Beziehungen zerstörerisch wirken), sind wir aufgefordert alle Bereiche in unserem Leben auf den Prüfstand zu stellen. Dazu gehört bspw. mein Verhalten gegenüber meinen Mitmenschen, mein Konsumverhalten oder meine Ernährung. Mich hat Gott z. B. früher mit meinem Musikgeschmack konfrontieren müssen. Das ist, wie bereits erwähnt, bei jedem unterschiedlich.

Wenn ich erlebe, dass ich zum wiederholten Mal den gleichen Mist fabriziert und derselben Verführung auf den Leim gegangen bin, dann kann das sehr frustrierend sein. Nicht wenige empfinden in solchen Momenten heftige Verdammungsgedanken. „Ich bin schuldig und unwürdig! Ich werde diese Sünde nie los!“ — solche stummen Sätze sind vermutlich noch harmlose Varianten, die einem dabei durch den Kopf schießen.

Ich habe vor vielen Jahren einmal erlebt, wie mein Vater einige Tauben zubereitet hat. Dazu war es nötig, dass er ihnen zuerst ihren Kopf abschlägt. Die Taube dachte jedoch nicht im Geringsten daran schon aufzugeben und flog auf einmal los. Obwohl sich ihr Kopf bereits verabschiedet hatte, hat sich der Rest ihres Körpers in Bewegung gesetzt, senkrecht Richtung Himmel. Auf halber Strecke machte sie aber plötzlich kehrt und flog im Sturzflug direkt auf mich zu. Ich stand wie versteinert da und war einfach nur fassungslos. Im letzten Augenblick kam ich wieder zu mir und sprang zur Seite, sodass ich nicht von der orientierungslosen Taube getroffen wurde.

Wir vergessen viel zu oft, dass Jesus Christus den größten Kampf gegen die Sünde schon längst gewonnen hat. Mit seinem Tod und seiner Auferstehung von den Toten hat er der Sünde und dem Teufel den Kopf schon abgehauen. Die Macht der Sünde und des Teufels ist zerstört, doch so wie die Taube schwirrt der Teufel noch umher und versucht noch so viele wie möglich einfach zu treffen und zu verführen.

Und wenn du dich tief getroffen und verwundet fühlst und verzweifelt über deine Situation bist, dann möchte ich dir sagen, dass es für dich eine gute Nachricht gibt.

Die gute Nachricht

Bevor du dein Leben mit Gott gelebt hast, hattest du kein Bewusstsein für die Trennung zwischen Gott und dir. Die Sünde hatte Macht über dich und hat dich völlig gelähmt. Du warst immun für Gottes Gedanken. Aber der Heilige Geist hat dich freigemacht von dieser Sündenmacht. Du hast einen neuen Herrn und König. Und weil du Gott liebst und ihn kennst, weißt du, dass Gott absolut heilig ist. Was bedeutet es nun, wenn du über deine eigene Sündhaftigkeit und Schlechtigkeit trauerst? Es bedeutet schlichtweg, und das ist die gute Nachricht für dich, dass der Heilige Geist in dir wirkt! Vielleicht war es dir bislang noch nicht bewusst, aber dein Kampf gegen deine Lieblingssünde bedeutet, dass du noch am Leben bist! Nur Kampf-losigkeit ist Leb-losigkeit!

John Shower (1657-1715), ein puritanischer Pastor verschiedener Londoner Kirchengemeinden, schrieb vor vielen Jahren hierzu folgende hilfreiche Worte:

Ich gestehe, es ist ein furchtbares Symptom, oft in willentliche Sünde zu fallen, Buße zu tun und dann wieder zu sündigen, also Buße und Sünde in einem Kreislauf zu tun. Dies zeigt mehr die Absicht, wieder zu sündigen, als den Willen, davon zu lassen. Doch für diejenigen, die zu Gott umgekehrt sind und denen vergeben wurde und die doch durch die Macht der Versuchung hinterher gefallen sind, gibt es viele Ermutigungen, dass sie umkehren sollen und Grund zu Hoffnung auf Vergebung haben: „Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten; und er ist das Sühnopfer für unsere Sünden“ (1Joh 2,1-2). „Wenn jemand sündigt“, ist keine Ermutigung zur Sünde, sondern es soll vor Verzweiflung bewahren, wenn man eine Sünde begangen hat.

— John Shower
aus „Die englischen Puritaner: 365 Tage lebendiges Wasser“

Denke immer daran: Jesus hat Mitgefühl in unseren Umständen. Jesus fühlt mit, weil er selber Versuchungen und Verführungen erlebt hat. Er wurde für fremde Schuld am Kreuz bestraft. Für unsere Sünde wurde er verdammt. Verdamme dich also nicht, wenn du in Sünde fällst.

Röm 8,1) Für diejenigen, die mit Jesus Christus verbunden sind, gibt es keine Verdammung.

Jesus ist für dich da und lässt dich nicht fallen. Jesus ist ein Chancengeber. Bei ihm können wir immer wieder neu anfangen.

In einem kommenden Artikel möchte ich thematisieren, wie unser geistlicher Kampf gegen die Sünde aussehen kann und wie wir konkret Befreiung aus Gebundenheiten erfahren und empfangen können.

Gott segne dich!

Soli Deo Gloria,
wju

Bildquelle: Balazs Toth

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3 Kommentare

  • Danke für diesen wunderbaren Artikel!

  • […] einem letzten Artikel “Gefangen im Teufelskreis der Sünde” habe ich über das Problem der Lieblingssünde gesprochen. Aus einer gewissen inneren Verpflichtung […]

  • Den Vergleich mit der Taube fand ich gut.