Jan 6, 2014 - Allgemein    4 Kommentare

Ein Rat an Theologie-Studenten

Studierzimmer

Mein Studium in Evangelischer Theologie liegt noch gar nicht so lange zurück. Nach fünf Jahren Hochschulbetrieb bin ich schließlich froh meine Zeit nun ganz in den pastoralen Dienst zu geben. Während meines Studiums gab es sowohl schöne als auch weniger schöne Phasen. Die frustrierenden Phasen waren u.a. besonders davon geprägt, dass meines Erachtens Theologie in Deutschland oftmals in einer falschen Haltung bzw. Gesinnung studiert wird. Der Hang zur Verkopfung, Akademisierung und Überheblichkeit ist nicht nur mir und nicht nur in meiner Ausbildungsstätte aufgefallen.

Seit Anfang des Jahres lese ich – wie an anderer Stelle bereits angekündigt – gemeinsam mit Jonas Erne und vielen weiteren Interessenten die Biblische Dogmatik von Wayne Grudem innerhalb eines Jahres durch. Der Austausch erfolgt in einer Facebook-Gruppe. In seinem Einführungskapitel geht Wayne Grudem auf die Frage ein, wie Christen systematische Theologie studieren sollten. Jedoch kann aus meiner Sicht der Abschnitt auf die Theologie im Allgemeinen angewendet werden. Darum möchte ich einen besonderen Aspekt, den Wayne Grudem nennt, als Rat (besonders an bestehende und angehende Theologie-Studenten) weitergeben. Wenn wir diesem Rat Folge leisten, so glaube ich, werden wir zu einer wahrhaften Erneuerung in unserer deutschen Theologie-Landschaft gelangen.

Folgende Zitate und Auszüge sind den Seiten 40-41 zu entnehmen:

Weil es sich beim Theologie- und Bibelstudium nicht ausschließlich um einen menschlichen Akt der Informationsgewinnung handelt, sollten wir

wie der Psalmist in Psalm 119,18 beten: „Öffne mir die Augen, damit ich sehe die Wunder in deinem Gesetz.“

Gerade weil Gottes Reden etwas Übernatürliches und damit einen geistlichen Akt darstellt, ist es wichtig, dass

wir beten und Gottes Hilfe beim Verständnis seines Wortes erbitten. […] Das Studium der Theologie ist eine geistliche Aktivität, bei der wir die Hilfe des Heiligen Geistes nötig haben.

Ganz gleich, wie intelligent er auch sein mag – wenn der Student nicht fortwährend zu Gott betet, ihm einen verständigen Geist und ein gläubiges und demütiges Herz zu geben, und der Student nicht einen persönlichen Wandel mit dem Herrn aufrechterhält, dann werden die Lehren der Bibel missverstanden und nicht geglaubt werden, lehrmäßiger Irrtum wird daraus resultieren, und der Geist und das Herz des Studenten der systematischen Theologie sollten sich am Anfang dazu entschließen ihr Leben frei von jedem Ungehorsam Gott gegenüber und von jeder erkannten Sunde, die ihre Beziehung zu ihm unterbrechen würde, zu halten. Sie sollten sich entschließen, mit großer Regelmäßigkeit ihr persönliches Leben in der Andacht und Stille vor Gott zu führen. Sie sollten beständig um Weisheit und das rechte Verständnis der Heiligen Schrift bitten.

Soli Deo Gloria,
wju

Bildquelle: Matt Boadway

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4 Kommentare

  • Amen dazu!

    Ich würde mich gerne an der Leseaktion beteiligen, aber ich habe den Grudem im Rahmen des Theologiestudiums erst vor einigen Wochen gelesen und habe andere Lektüre abzulesen. Ich wünsche Euch aber viel Segen und Freude beim gemeinsamen Studium.

    Lg,

    Andi

  • Vielen Dank, Waldemar! Ist wirklich hilfreich und ermutigend. Gruß, Rudi

  • Hallo Waldemar!
    Wie wäre es denn, beides nebeneinander stehen zu lassen? So wie man Musik hingegeben hören, aber auch analysieren kann, und beides seine Berechtigung hat. Hingegebenes Hören unter Gebet auf das, was Gott einem gerade durch einen Bibeltext sagen möchte, ist ja erfahrungsgemäß für das eigene Leben wichtig, eignet sich aber kaum für Verallgemeinerungen. Aber für verantwortungsvolles Lehren und Verallgemeinern ist doch eine wissenschaftliche Analyse unabdinglich. Sonst wird eine „Erneuerung“der theologischen Landschaft eher zu einer „Veralterung“ in die voraufklärerische Ära. Und selbst da zeigt die Geschichte doch, dass nur regelmäßiges Beten vor dem Bibellesen keineswegs zu einem einmütigen Verständnis dessen führt, was Gott oder die Bibel oder beide zusammen sagen wollen…

    • Lieber Marco,

      wer spricht denn davon wissenschaftliche Analysen beseite zu räumen? Es geht in diesem Beitrag doch lediglich darum aus dieser Pendelbewegung herauszubrechen. Und dass wir uns in Deutschland in einer solchen befinden lässt sich wohl kaum abstreiten.

      Wenn du genau hinsiehst, dann wirst du erkennen, dass es sich bei den Zitaten um Auszüge der Biblischen Dogmatik des Theologieprofessors Wayne Grudem handelt. Ein solches Werk entsteht schließlich nicht ohne genauste Analysen und wissenschaftliche Diskurse. Ganz im Gegenteil, der Autor ist bekannt für seine Genauigkeit und Freude an weitgehenden Recherchen.

      Liebe Grüße!