Sep 3, 2016 - Impulse    Kommentare deaktiviert für Ehebund, Scheidung und Wiederheirat (1)

Ehebund, Scheidung und Wiederheirat (1)

Über viele Wochen und Monate habe ich mich mit den Themen Ehebund, Scheidung und Wiederheirat beschäftigt. Sowohl exegetisch als auch seelsorgerlich. In einer mehrwöchigen Bibelstudienreihe habe ich systematisch zentrale biblische Aussagen zu diesen drei Themengebieten mit meiner Gemeinde betrachtet. Da bereits wiederholt um meine Ausführungen gebeten wurde, stelle ich eine Zusammenfassung meiner Ergebnisse an dieser Stelle zur Verfügung.

In einem ersten Teil soll es einleitend um den Ehebund als Solches gehen.

Ehebund

Die Ehe hat in der gesamten Schrift einen hohen Stellenwert. Beginnend mit der Genesis schuf Gott „Mann und Frau“ (Gen 1,27) füreinander als Gegenüber, damit „der Mensch nicht allein sei“ (Gen 2,18). Als Höhepunkt der Schöpfung gilt die von Gott verordnete Vereinigung zwischen Mann und Frau in der Ehe: „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und sie werden zu einem Fleisch werden“ (Gen 2,24). Einmal eingesetzt legt die Heilige Schrift großen Wert darauf, dass Gottes wohlwollendes Geschenk nicht missbraucht wird. Um die Bewahrung der Ehe zu gewährleisten wurden Gebote, Warnungen und Weisungen gegeben, weswegen die Ehe im Dekalog besonders gewürdigt und geschützt wird (Ex 20,14.17). Jesus bestätigt die göttliche Einsetzung der Ehe als Schöpfungsordnung (Mt 19,4ff) und ebenfalls den Willen Gottes der Bewahrung der Ehe (Mt 5,27) sowie ihre prinzipielle Unauflöslichkeit. Paulus verweist auf die tiefgreifende Vereinigung (Eph 5,31) und betrachtet die Ehe als grundsätzlich unzertrennliche Einheit, bis dass der Tod die Eheleute scheidet (Röm 7,2).

Die Ehe ist eine lebenslange Verbindung zwischen Mann und Frau, dessen Auflösung zu Lebzeiten vonseiten Gottes nicht vorgesehen ist (Mt 22,23ff). Weil Gott selbst die Ehe gestiftet hat, gleicht die Ehe in ihrem Wesen einem göttlichen Bundesschluss und nicht lediglich einem zwischenmenschlichen Vertrag, welcher der menschlichen Beliebigkeit ausgesetzt ist. Aus diesem Grund betont Jesus in Fragen, welche die Ehe betreffen, dass die Einheit von Mann und Frau als Vereinigung insbesondere vor Gott Gültigkeit hat: „Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden“ (Mt 19,6). In der Sichtweise Jesu spiegelte sich demzufolge alttestamentliches Gedankengut wieder: „Gott ist Zeuge gewesen zwischen dir und der Frau deiner Jugend, an welcher du treulos gehandelt hast, da sie doch deine Gefährtin und die Frau deines Bundes ist“ (Mal 2,14). Schon im Alten Testament wird der Ehebund dadurch aufgewertet, indem sinnbildlich Jahwe als Bräutigam und Gottes Volk als Braut bezeichnet wird (vgl. Jes 62,5; Hos 1-3). Untreue gegenüber Gott kann folglich wiederholend mit dem Vergleich ehelicher Untreue veranschaulicht werden. „Der Bund der Ehe wird geradezu zum Vorbild des Bundes, den Gott mit uns schließen will“ (Thomas Schirrmacher). So kann Paulus den ehelichen Bundesgedanken völlig unproblematisch auf die Bundesbeziehung zwischen Christus und seiner Gemeinde beziehen (Eph 5,32f).

Durch solch eine Wertschätzung des Ehebundes, welcher zu einem gewissen Grade Gottes Charakter offenbart und die Beziehung zwischen Gott und seinem Volk abbildet, muss zwangsläufig alles Nachdenken über eine Trennung des im Angesicht Gottes unwiderruflich geschlossenen Bundes achtsam und überlegt erfolgen.

Zum Teil 2.

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