Apr 9, 2013 - Allgemein    6 Kommentare

Diese Freiheit nehm’ ich mir!

Freiheit und Gesetz

Werbeslogans wie „Man gönnt sich ja sonst nichts!“ oder „Die Freiheit nehm’ ich mir!“ sind in aller Munde, teilweise sogar weltweit bekannt. Was bedeutet es aber ganz konkret für uns als junge Christen frei zu sein und in Freiheit zu leben?

„Zur Freiheit hat Christus uns befreit!“ (Gal 5,1a)

Ich denke, dass jeder gläubige Christ diesen Worten von Paulus zustimmen wird. Vielleicht bekräftigen wir diesen Vers sogar in unseren Kirchengemeinden und Gottesdiensten mit einem lauten „Amen“. Doch wenn wir uns einmal hinterfragen, was wir da überhaupt lauthals ausrufen, werden wir überrascht sein, welche verschiedenen und teilweise auch widersprüchlichen Überzeugungen sich hinter einem solchen Bekenntnis verbergen können. Vermutlich gibt es wirklich wenige Themen des Glaubens, die so oft missverstanden werden wie das der „christlichen Freiheit“. Um zu verstehen, wie ein Leben ganz praktisch in der gottgewollten Freiheit aussieht, müssen wir erst einmal herausfinden, wovon wir überhaupt durch Jesus Christus befreit wurden.

Wovon wurden wir befreit?

Du wirst eine bemerkenswerte Entdeckung machen, wenn du einmal deine Bibel nach dem Begriff „Freiheit“ durchsuchst. Erstaunlicherweise ist festzustellen, dass das hebräische Wort für „Freiheit“ (hebr. chuphshah) tatsächlich nur ein einziges Mal im Alten Testament (3Mo 19,20) auftaucht. Umso interessanter ist es, dass dagegen „Freiheit“ im Neuen Testament gleich ein dutzendmal auftaucht. Das leuchtet spätestens dann ein, wenn Jesus Christus selbst sagt, dass man ausschließlich durch ihn „wirklich frei wird“ (Joh 8,36). Dabei geht das Neue Testament gewissermaßen davon aus, dass vorbehaltlos jeder Mensch ein Leben in Unfreiheit führt. Dabei spielt es auch überhaupt keine Rolle, welche soziale oder politische Stellung ein Mensch innehat (Röm 3,11f; Gal 4,3; Offb 6,15). Dieser Zustand der Unfreiheit wird mit dem dramatischen Wort der Sklaverei beschrieben!

Um auch nur annähernd zu begreifen, was es bedeutet, dass Jesus Christus uns wirklich frei macht, müssen wir das Bild begreifen, welches die Bibel über die Sklaverei zeichnet. Es handelt sich hierbei nämlich nicht vorrangig um deine individuelle Lebensgestaltung bzw. äußerliche Freiheit. Wie sollte es auch? Erinnerst du dich noch an das Eingangszitat aus dem Galaterbrief? Wenn Paulus die Freiheit eines Christen anpreist, wird er sicherlich eine größere, weitaus bedeutendere Dimension meinen. Er wurde schließlich als Missionar und Apostel verachtet, verlästert, verfolgt, geschlagen und eingesperrt (1Kor 4,9ff). Die notwendige Befreiung aus der Sklaverei meint im Neuen Testament vorrangig eine geistliche Erlösung unserer Seelen! Natürlich ist es nicht zu verwerfen, wenn wir uns als Christen für die Würde und Freiheit des Menschen auf sozialer Ebene diakonisch engagieren. Ganz im Gegenteil, wir haben als Christen an dieser Stelle sogar einen Auftrag in der Welt zu erfüllen! Doch die gottgeschenkte Freiheit meint in der Bibel zuallererst die Befreiung von den Mächten der Sünde (Joh 8,34-36; Röm 6,18.22), des Todes (Röm 6,23; 8,21) und des Gesetzes (Röm 8,2). Der letzte der drei aufgeführten Aspekte wird uns nun weiter beschäftigen: Wir sind befreit vom Gesetz!

Befreit vom Gesetz

Wenn wir erfahren, dass wir von der Sünde, dem Tod und dem Gesetz befreit wurden, neigen auch wir Christen oftmals dazu alle drei genannten Dinge als schlecht abzustempeln und vielleicht sogar als bösartig zu verwerfen. Aufgepasst! So einfach ist es nicht. Die Bibel erklärt uns, dass die Gebote Gottes uns „zum Leben gegeben“ sind. Ja, sie sind sogar „heilig, gerecht und gut“ (Röm 7,10-12)! Gottes Gesetz fordert von uns Gerechtigkeit und Heiligkeit im übermenschlichen Maß. Sollte so ein Gesetz etwa schlecht sein? Steht es uns zu dieses Gesetz zu verurteilen (Jak 4,11)? Wie können wir etwas als schlecht erachten, was Jesus Christus doch so hoch schätzte und es sogar für wert hielt, jedes Wort und jegliche Forderungen komplett einzuhalten bzw. zu erfüllen? Warum sollte der Anspruch Gottes, ein Leben nach seinem Willen zu führen, bösartig sein? Der Reformator Johannes Calvin schreibt über das Gesetz: „Aber Mose und alle Propheten hatten doch vor allem die Absicht die Art der Versöhnung zwischen Gott und dem Menschen zu lehren – deshalb nennt ja auch Paulus Christus des Gesetzes Ende.“ (Johannes Calvin, Institutio Christianae Religionis I,6,2.) Wenn es also um den Weg der Versöhnung zwischen Gott und Mensch geht, steht es uns somit nicht zu das gute und heilige Gesetz Gottes zu verteufeln, sondern mit Respekt zu achten. Auch wenn du noch am Anfang deiner Jesusnachfolge stehst und das alttestamentliche Gesetz vielleicht nur vage kennst, eines wird dir bis hierhin bereits einleuchten: Gott ist gut und seine Maßstäbe sind gerecht, aber auch übermenschlich. Das gute und göttliche Gesetz übertrifft unser schlechtes und sündiges Leben. Und weil wir eben aus Gottes Augen in unserer Schuld gefangen und verstrickt sind, dient uns das Gesetz letztlich zum Tod. Ein Gefühl der Unzulänglichkeit gegenüber Gottes Anspruch macht sich in uns breit. Diese Erfahrung der persönlichen Kapitulation ist ausschlaggebend für Gottes gute Botschaft an uns. Denn wenn ich meine Gefangenschaft unter dem Gesetz nicht begreife, dann wird es mir nur sehr schwer fallen die Freiheit im Heiligen Geist zu verstehen, zu ergreifen und überzeugend darin zu leben. Wir haben nämlich allen Grund zu feiern:

Denn mit Christus ist der Weg des Gesetzes zu Ende. Jetzt wird jeder, der an ihn glaubt, für gerecht gesprochen. (Röm 10,4)

Jeder übermenschliche Anspruch Gottes und alle göttlichen Forderungen wurden 100%ig eingehalten. Jesus Christus hat das Ziel erreicht, indem er das Gesetz gehalten und komplett erfüllt hat. Er ist wirklich der Einzige, der ein absolut gerechtes und gottesfürchtiges Leben gelebt hat. Jesus hat uns vom Gesetz als ein Weg und Mittel zur geistlichen Erlösung unserer Seelen befreit. Das Evangelium, diese gute Botschaft, erinnert uns daran und bewahrt uns davor, die von Gott geforderte übermenschliche Gerechtigkeit auch nur einen Moment in uns selbst zu suchen. Die Freiheit, zu der uns Christus frei gemacht hat (Gal 5,1), zu der wir berufen sind (Gal 5,13) und die wir in Christus haben (Gal 2,4), ist, dass wir gar nichts aus eigener Leistung tun können, um vor Gott gerecht sein zu können. Rechtfertigung vor Gott ist allein in Jesus, dem Sohn Gottes, zu finden. Denn Jesus behält seine Stellung vor Gott nicht für sich allein, sondern teilt sie mit uns aus Gnade. Deswegen sind wir von dem Gesetz befreit und nicht mehr unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade (Röm 6,14; Joh 1,17).

Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit

Welche Konsequenzen hat es nun, dass wir als Christen nicht mehr unter dem Gesetz versklavt sind? Was bedeutet es praktisch, dass wir befreit wurden und somit unter der Gnade leben? Hierzu dient nun eine biblische Erzählung zur Veranschaulichung.

Jesus ging in das Haus von Petrus. Dessen Schwiegermutter war von einem heftigen Fieber befallen und lag im Bett. Jesus berührte ihre Hand. Da verschwand das Fieber, und sie stand auf und diente ihm. (Mt 8,14-15)

Nun, worauf soll uns diese Heilungsgeschichte Jesu aufmerksam machen? Oftmals wird die christliche Freiheit dazu missbraucht, um an eine Freiheit von Geboten und Gehorsam festzuhalten. Wenn das Gesetz nicht mehr das Mittel ist, wie ich zu Gott kommen kann, dann kann man doch nun auf jegliche Gebote pfeifen, oder? Doch was geschieht mit der Schwiegermutter von Petrus, nachdem Jesus sie von ihrem Fieber befreit hat? Sie steht nicht auf, um den Fernseher anzumachen und zu chillen. Nein, sie stand auf und diente Jesus! Jesu Befreiung setzt zum Dienst frei. Das neue Leben im Heiligen Geist ist keine Freiheit vom Gehorsam, sondern eine Freiheit zum Gehorsam! Es findet nämlich eine gewaltige Verwandlung und Transformation in unserem Herzen statt. Wir sind für Gott keine Sklaven mehr, sondern seine geliebten Kinder. Guterzogene Kinder verhalten sich ganz bestimmt nicht schlechter als die Haussklaven. Nein, sie handeln vorbildlich in Freiheit, weil sie die Wesensart ihres Vaters lieben. Die Herzensausrichtung des Vaters hat sich auf seine Kinder übertragen, tief in ihrer geistlichen DNA angelegt. Gottes Kinder handeln nun nicht mehr aus gesetzlichem Zwang, sondern aus tiefer innerer Gewissheit und persönlicher Überzeugung. Gott schenkt uns seinen guten Geist, wodurch wir eine völlig neue Lebensqualität empfangen. Wir werden in eine Stellung hineinversetzt, die in uns den Wunsch bewirkt, Tag für Tag immer mehr unserem größten Vorbild zu entsprechen (Gal 5, Röm 8). Wer in dieser gottgegebenen und von Christus proklamierten Freiheit leben möchte, führt kein Leben nach strikten Gesetzeslisten, sondern ein Leben im Geist. Das bedeutet, dass Gottes Gesetz in uns lebt, es dringt nach außen und kommt immer mehr in unserem Alltag zur Entfaltung. Freiheit ist deswegen im Gegensatz zur Gesetzlichkeit keineswegs statisch zu verstehen, sondern eine höchst dynamische Angelegenheit. Die neugewonnene Freiheit soll in unserem Leben wachsen, zunehmen und zu immer mehr Freiheit führen (Gal 5,1). Es handelt sich um einen lebendigen Prozess, der uns in der Freiheit wachsen lässt (Spr 4,18). Diese Dynamik bezeichnet das Neue Testament als das Gesetz der Freiheit (Jak 1,25; 2,12), des Glaubens (Röm 3,27), des Geistes (Röm 8,2) oder als das Gesetz Christi (Gal 6,2). Je mehr wir auf Jesus Christus und sein Wort vertrauen, desto freier sind wir.

Der Herr aber ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, ist Freiheit. (2Kor 3,17)

3 praktische Auswirkungen der Freiheit

1) Freiheit in der Beziehung zu mir

Ich habe bei der Beschäftigung mit diesem Thema gemerkt, dass immer wieder Unsicherheiten in mir aufkamen. Gibt es nicht doch noch die ein oder andere Vorbedingung, an die ich als Christ zwingend gebunden bin? Es muss doch da noch ein Gebot geben, was ich halten muss. Irgendetwas, damit ich mir meinen Status vor Gott wenigsten ein bisschen verdienen kann. Solche Gedanken sind keine Seltenheit. Doch Vorsicht: Selbstgerechtigkeit lässt grüßen!

Wenn Gerechtigkeit durch Gesetz kommt, dann ist Christus umsonst gestorben. (Gal 2,21b)

Übergeh diesen Aspekt nicht zu schnell und prüf dein Herz. Reicht dir die Gnade Jesu wirklich aus oder hängst du die Messlatte ein Stückchen höher, um auf Nummer sicher zu gehen? Immer wieder erinnert mich der Heilige Geist durch die Bibel daran, dass ich in Jesus bereits frei bin! Der Heilige Geist befreit mich von meinen selbstzentrierten Gedanken und schenkt mir Frieden, Ruhe und ein gutes Gewissen (1Tim 1,5; 1Petr 3,21). Und damit mein Gewissen nicht durch selbstauferlegte menschliche Gebote verschmutzt wird, sollten wir dem freimachenden Evangelium immer mehr Raum in unserem Gewissen geben. Gewissermaßen als eine Erinnerung an unsere Befreiung und ein Leben in entsprechender Heiligung zu führen (Eph 1,4; 1Thess 4,3). Und somit ist es bereits ein übernatürliches Wirken Gottes, wenn sich das Nachdenken über eine Sündentat, schon wie eine begangene Sünde anfühlt. Das ist genau das Gegenteil von Gesetzlichkeit. Es ist die dynamische Kraft der Freiheit, die wir nur in der göttlichen Gnade finden können.

Diese Freiheit des Gewissens solltest du nicht an dir vorübergehen lassen. Ein befreites und reines Gewissen ermöglicht dir eine tiefe Erfahrung der Gnade Gottes!

2) Freiheit in der Beziehung zu Gott

Als Jesus gefragt wurde, welches Gebot das Wichtigste im Gesetz sei, antwortete er:

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand. (Mt 22,37)

Jeder, der ehrlich zu sich selbst ist, wird erkennen, dass es auch mit aller Anstrengung nicht möglich sein wird, dieses Gebot der völligen Selbsthingabe an Gott vollkommen zu erfüllen. Welchen Platz haben denn nun Gottes Gebote in unserer Beziehung zu Gott? Solche Bibelverse machen zunehmend den Anschein, dass wir Gottes Gebote nicht so richtig loswerden können. Du wirst merken, dass diese Frage noch kniffliger wird, wenn du die ersten beiden Johannesbriefe studierst (1Joh 2,3-8; 3,22-24; 2Joh 4-6). Immer wieder lautet das Gebot an uns: Liebe Gott! Also gibt es doch wieder eine Vorbedingung? Das Geheimnis ist wieder in der unendlichen Gnade Gottes zu finden:

Lasst uns lieben, denn Jesus hat uns zuerst geliebt. (1Joh 4,19)

An einer anderen Stelle sagt Jesus:

Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten. (Joh 14,15)

Merkst du den gravierenden Unterschied? Es geht hierbei nicht um einen Kampf, um Gottes Gnade und Liebe zu verdienen. Ganz im Gegenteil! Es geht eher um eine entsprechende Antwort und Reaktion auf die persönlich erfahrene Gnade und Liebe Gottes. Gottes Gebote zu bewahren und zu halten ist lediglich ein Ausdruck Gott zurückzulieben. Automatisch entsteht ein inneres Bedürfnis Gott mit dem eigenen Leben zu preisen. Deswegen werden Gott unsere ernsten Bemühungen nach Heiligung gefallen und nicht von ihm verworfen. Warum? Weil wir Jesus selbst als Vorbild nehmen und seinem guten Beispiel folgen. Aber nicht aus Selbstgerechtigkeit, sondern aus Dankbarkeit! Mich überkommt bei diesem Gedanken eine unerklärliche Ehrfurcht. Eine Ehrfurcht Gott gegenüber, dass er mit meiner Unvollkommenheit gnädig umgeht und mir seine bedingungslose Liebe schenkt. Er gibt mir immer wieder neu die Stärke gemäß seiner Gebote zu leben.

Und weil wir uns auf Jesus Christus verlassen, haben wir den freien Zugang zu Gott und dürfen zuversichtlich und vertrauensvoll zu ihm kommen. (Eph 3,12)

3) Freiheit in der Beziehung zu meinem Nächsten

Wie wir gesehen haben, hat unsere Freiheit nichts mit einem Freibrief zur hemmungslosen Sünde zu tun. Genauso wenig wird diese neue Freiheit eine Rücksichtslosigkeit gegenüber unserem Nächsten in uns bewirken (Mt 22,39; Röm 13,9; Gal 5,14).

Und dies ist sein Gebot: dass wir an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben, wie er es uns als Gebot gegeben hat. (1Joh 3,23)

Und weil Liebe keineswegs „unanständig“ ist (1Kor 13,5), verlangt unsere neue Freiheit auch manchmal eine Freiheit zur Enthaltsamkeit und Rücksichtnahme von uns. Nutze also deine Freiheit, damit dein Gegenüber auferbaut und gestärkt wird (1Kor 14,26). Wenn deine Freiheit das Gegenteil bewirkt, dann verzichte am besten darauf. Wer in seiner geliebten Freiheit hochmütig und überheblich handelt, zeigt keine große Liebe gegenüber den Kindern Gottes (Röm 15,1; 1Kor 8,9; 1Kor 10,25ff). Wenn du jedoch nun eine Liste von „Dos & Don’ts“ erwartest, dann muss ich dich leider enttäuschen. Oft müssen wir situativ entscheiden, welche Handlungen in Gottes Augen weiser sind. Auch wenn vieles in unserem Leben an sich nicht falsch und verwerflich ist, müssen wir (wie Jesus) rücksichtsvoll mit den „Schwachen im Glauben“ umgehen (Röm 14,1). Bete vielmehr für deinen Nächsten, der schwach im Glauben ist. Gottes Anliegen ist es gewiss nicht den Glaubensschwachen in seiner Schwachheit zu belassen! Denn jeder von uns soll in die gottgewollte Freiheit gelangen, damit unsere Gedanken, unsere Gefühle und unser Gewissen rein und frei sind (Tit 1,15). Denn:

„Zur Freiheit hat Christus uns befreit!“ (Gal 5,1a)

Diese Freiheit nehm’ ich mir!

Soli Deo Gloria,
wju

Dieser Artikel erschien erstmals im Timotheus Magazin #10 „Das Gesetz“. Einfach hier bestellen!

Bildquelle: Christine DiSebastian

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6 Kommentare

  • DEINE Befreiung vom Gesetz äußert sich in Formulierungen wie „lautet das Gebot an uns“ … „Gottes Gebote zu bewahren und zu halten“ … „dann verzichte am besten darauf“ … „müssen wir“ … „verlangt unsere neue Freiheit“ … “ jeder von uns soll“ …

    Besonders seltsam diese Formulierung „… Wirken Gottes, wenn sich das Nachdenken über eine Sündentat, schon wie eine begangene Sünde anfühlt. Das ist genau das Gegenteil von Gesetzlichkeit“ – genau DAS ist Gesetzlichkeit.

    Deine „Befreiung“ ZUM Gehorsam ist so alternativlos wie der Gehorsam gegenüber dem Gesetz. Damit gilt auch dafür, dass uns „das Gesetz letztlich zum Tod“ dient.

    Kurz und gut: außer deiner Sicht sind wir vom Gesetz befreit – um nun umso mehr das Gesetz zu halten. Ich denke, deine „Freiheit“ ist nur verbaler Natur. Bzw. ein Etikettenschwindel.

    • Lieber Seitenfan!

      Vielen Dank für dein Kommentar.

      Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn du deine Sichtweise mit biblischen Begründungen ergänzen würdest. Auch eine Auslegung zu den Worten des Johannes interessieren mich wirklich sehr, welcher (wie oben ausführlich dargelegt) eindeutig von Geboten spricht. Diese aber neu in ein christliches Leben einordnet.

      Deine Darstellung von Gesetzlichkeit ist für mich unverständlich. Ich weiß ja nicht wie du das Wirken des Geistes verstehst, aber die Bibel spricht deutlich von einem Abwenden der eigenen Sünde und einem zunehmenden Leben in Heiligung. Diese Heiligung äußerst sich in vielerlei Hinsicht.
      So stellt Paulus bspw. einige Kataloglisten auf, was sich für einen Christen nicht gehört. Wenn ohne Heiligung niemand den Herrn sehen wird (Hebr 12,14) und Unzüchtige das Himmelreich nicht erben werden (1Kor 6,9; Eph 5,5), dann kannst du das durchaus als Verbote oder Gebote erachten.
      Wenn Jesus davon redet, dass derjenige Ehebruch begeht, der nur an diese Tat denkt, ohne sie dieselbe durchzuführen, dann ist es genau dieses Prinzip, was ich oben versucht habe zu erklären (Mt 5,28).

      Ich hoffe du kannst erkennen, dass ich mich um ein biblisches Verständnis zu diesem wirklich sehr komplexen und schwierigen Thema bemühe. Sicher fehlt mir noch ein sehr großes Stück an Erkenntnis. Aber bislang bin ich der Meinung, dass ich mit dieser Sichtweise die Schrift in ihrer Ganzheit berücksichtige und die Verse mir nicht zurechtbiege.

      Ich freue mich auf eine Antwort deinerseits!

      Liebe Grüße,
      wju

    • Passend zu diesem Thema ist auch ein Verweis auf Paul Washer, der einmal sinngemäß sagte: „Wenn du der Meinung bist, dass du eine neue und tiefere Beziehung zu Gott gewonnen hast, dann frage ich dich, ob du nun auch eine tiefere Erkenntnis in Bezug auf deine Sünde gewonnen hast.“ (Leider finde ich gerade nicht das dazu passende Video.)

      Gut gefällt mir auch die Darstellung von John Piper zu dieser Thematik: Are Christians Under the 10 Commandments?

  • Hallo Waldemar,
    cooler Artikel zur Freiheit! mit meiner Legastenie schlage ich mich immer herum und ärgere mich, wenn ich Artikel schreibe um so bewunderswerter finde ich deine Struktur und Herangehensweise in deinem Artikel über die Freiheit!! Ein kleine Kritik hätte ich, denn mir fehlt ein Elementarer Teil in der Herleitung zur Freiheit vom Gesetz. Der Zusammenhang ist die AT Rechtfertigung durch gefordertes Blut eines Süneopfers und dem Opfer von Jesus das ein für alle mal Gültigkeit hat. Verstehe mich richtig, die Kritik kommt nicht aus einem fehlen dieser Erklärung in deinem Artikel, sondern durch ein fehlen des Verständiss und Lehre in unseren Gemeinden. Grade im Hinblick auf den Hebräer Brief den heute kaum einer schnallt „Sollten wir Christus abermals Kreuzigen?“ im Gegensatz zu „Christus ist ein für alle mal gestorben“. Keine Ahnung, vielleicht ne Kleinigkeit, aber ich merke das in der Seelsorge immer wieder, das die Leute keine Ahnung von wirklicher Soteriologie haben, und den unterschied nicht kennen und daher ein eher „Blutleeres“ Evangelium haben. Wie gesagt, geniales ding, dein Artikel ! Danke Dir ! Gruß Markus