Mrz 14, 2014 - Allgemein    Kommentare deaktiviert für Die krasse Realität des Abendmahls

Die krasse Realität des Abendmahls

Abendmahl

In den letzten Wochen habe ich mich immer mal wieder mit dem Abendmahl beschäftigt und mich gefragt: Was passiert hier eigentlich, wenn Christen gemeinsam Brot und Kelch teilen, so wie Jesus es uns empfiehlt und uns sogar dazu auffordert. Schon oft habe ich hierfür ein Dokument aufgerufen, welches ich gerne an dieser Stelle mit euch teilen möchte. Es handelt sich dabei um eine knappe Abhandlung zum Abendmahlsverständnis von Johannes Calvin. Der folgende Text wurde von einem sehr guten Freund von mir (Peter Schild: Evangelist, Gemeindegründer, Theologe) vor einigen Jahren in seinem Theologiestudium verfasst. Peter hat mir damit geholfen besser und tiefer die krasse Realität des Abendmahls zu verstehen. Vielen Dank mein lieber Bruder!

Das Abendmahlsverständnis von Johannes Calvin

Calvin lehnte das katholische Abendmahlsverständnis vor allem aus zweifacher Begründung heraus ab:

Erstens verleugne die katholische Abendmahlspraxis die Vollgenügsamkeit (Suffizienz) des Kreuzesopfers Christi durch ein ergänzendes, eigenständiges Opfergeschehen in der täglichen Messfeier. Für Calvin hat der Kreuzestod Christi nicht nur die Erbsünden, sondern auch die Tatsünden ein für alle Mal gesühnt, weshalb auch Messen mit einer Sühneopferzeremonie nicht von Nöten seien. Das Abendmahl soll stattdessen ein „Gedächtnismahl“ zum Gedenken an das einmalige und vollgenügsame Opfer sein (siehe 1.).

Zweitens lehnt Calvin die Transsubstantiationslehre ab, welche besagt, dass die Substanz des Brotes und Weines zugunsten der Substanz des Leibes und Blutes Christi verschwindet.
Calvin spricht sich ebenso gegen die leibliche Realpräsenz Christi in Brot und Wein aus (ggn. Luther) und plädiert für eine Spiritualpräsenz Christi im Mahl (siehe 2.). Brot und Wein sind für Calvin veranschaulichter Zuspruch Christi, welcher den schwachen Glauben der Kommunizierenden stärken soll, wobei Abendmahl immer Gemeinschaftsmahl ist (siehe 3.).

1. Das Abendmahl als Gewissheit schenkendes Gedächtnismahl

Calvin versteht das Abendmahl vor allem als Erinnerungsfeier des Sühneopfers Christi, in welcher der Heilige Geist dem gläubigen Kommunizierenden seines Glaubens gewiss macht. Calvin, welcher neben der Taufe, nur noch das Abendmahl zu den Sakramenten zählt, versteht unter dem Sakrament der Eucharistie eine wahrnehmbare Hilfe Gottes für den schwachen Christenmenschen. Der Zweck des Abendmahles ist es Gewissheit des Heils bzw. Glaubens zu schenken. Es handelt sich nicht um ein rein kognitives Gedenken (ggn. Zwingli, welcher geistlich mit geistig gleichsetzt), sondern um eine geistgewirkte Teilhabe an der Person Christi im Mahl. Der Gläubige wird durch die Wirkung des Geistes mittelbar mit dem Leib und dem Blut Christi, welcher im Himmel ist, vereinigt. Das Abendmahl ist damit sichtbares Zeichen für die unsichtbare Wirklichkeit des Leibes Christi, wobei der Glaube in der Kommunion durch den Geist gestärkt wird.

2. Das Abendmahl und die Spiritualpäsenz Christi

Dass Christus bei der Abendmahlsfeier präsent ist, ist für die katholische Kirche, für Luther, Zwingli und Calvin unumstritten. Doch stellt sich die Frage, inwiefern Christus im Mahl anwesend ist. Der Abendmahlstreit ist um Grunde genommen eine christologische Auseinandersetzung und umfasst drei christologische Grundfrage: Die Einheit der Person Christi, die zwei Naturen Christi und die zwei Stände Christi. Im Gegensatz zur katholischen und lutherischen Position vertritt Calvin keine Realpräsenz des menschlichen Leibes Christi in den Elementen, sondern plädiert für eine geistliche Gegenwart des verherrlichten, göttlichen Christus in der Mahlfeier. Genau wie für Zwingli steht auch für Calvin fest, dass die menschliche Natur Jesu orthaft im Himmel zu lokalisieren ist und daher nicht im Abendmahl präsent sein kann. Für Calvin schließt die Vorstellung von der Leiblichkeit Christi, eine räumliche Begrenzung ein, was eine Allgegenwart der menschlichen Natur Christi unmöglich macht. Luther hingegen begründete die Realpräsenz mit der Ubiquität (Allgegenwart) der menschlichen Natur Jesu, da diese durch die Vereinigung mit seiner göttlichen Natur auch allgegenwärtig sei. Für Calvin hebt solche Argumentation die Leiblichkeit Christi auf. Doch auf für Calvin ist der Leib Christi im Abendmahlsgeschehen präsent, nicht jedoch indem Christus hinabkäme, sondern indem der Geist, das Band der Verbindung unsere Herzen zu ihm „emporführt“. Die Gegenwart Christi im Abendmahl ist demnach primär geistlicher Art, Christus ist nur seiner Gottheit bzw. Herrlichkeit nach präsent. In Brot und Wein genießt die gläubige Seele, die geistliche Speise: Leib und Blut des himmlischen Christus.

Christus ist jedoch nicht an die Elemente gebunden, oder gar darin eingeschlossen. Vielmehr verweisen sie als Zeichen auf eine andere Realität außerhalb ihrer selbst. Sie sind sichtbare Zeichen bzw. Instrumente einer unsichtbaren Wirklichkeit: der wirklichen Teilhabe an Christus. Diese Teilhabe wird nicht durch den bloßen Verzehr von Nahrungsmitteln, sondern durch die Wirksamkeit des Heiligen Geistes geschenkt. Die Zeichen von Brot und Wein und die in ihnen dargebotene Wirklichkeit können nicht voneinander getrennt werden, jedoch dürfen die Zeichen auch nicht mit der in ihnen dargebotene Wirklichkeit vermischt werden. Die Elemente verwandeln im Abendmahl nicht ihre Substanz, sondern verwandeln sich aufgrund der Verwendung von gewöhnlichen Lebensmitteln hin zum sakramentalen Zeichen.

3. Das Abendmahl und die Empfänger desselben

Für Calvin ist Abendmahl immer Gemeinschaftsmahl (ggn. Privatmessen). Auch hält Calvin an der Kommunion in beiderlei Gestalt fest, da Christus spricht: „Trinkt alle daraus“. Nach katholischer und lutherischer Vorstellung empfängt auch der Ungläubige bei der Kommunion den wahren Leib Christi, für Calvin ist nur der Gläubige, Erwählte Teilhaber der Präsenz Jesu. Für Calvin wirken die Sakramente aus sich selbst heraus nichts, der Geist muss dazu kommen und dies tut er nur bei Gläubigen. Die katholische Kirche verordnet vor dem Empfang der Kommunion eine vom Priester ausgesprochene Absolution von Sünden, um für die Kommunion würdig zu sein. Calvin hält es für widersinnig vor dem Empfang des Sakraments rein werden zu wollen. Das Abendmahl habe eben diesen Zweck, ein reines Gewissen zu verleihen, indem es den Gläubigen mit Christus und damit mit seiner erwirkten Sühnung vereint. Das Erkennen der eigenen Schuld soll demnach nicht von der Kommunion abhalten, sondern der ausschlaggebende Grund dafür sein, daran teilzunehmen.

Quellennachweis: J. Rohls, Coene Domini, in: M. Garijo-Guembo u.a., Mahl des Herrn, 1988, S. 105-221.

– Peter Schild

Soli Deo Gloria,
wju

Bildquelle: Chris Kennedy

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