Mai 29, 2013 - Allgemein    2 Kommentare

Die Konsequenzen der Bibelkritik

Piano

Mir ist ein sehr eindringliches Wort auf dem Herzen. Ungeschminkt warnt C. H. Spurgeon vor den Konsequenzen und Auswirkungen, die eine überhebliche Kultur des Herumkritisierens an der Bibel mit sich bringt.

An dieser Stelle muss ich eine Warnung vor dem Herumkritisieren an Worten Gottes hinzufügen. Keine Gewohnheit kann verderblicher sein. Es ist törichte Anmaßung, den Schöpfer korrigieren zu wollen. Wer die Bibel beim Lesen willkürlich zerstückelt, wird bald allen Glauben verlieren. Das Gefühl der Ehrfurcht ist gesund, aber der Hochmut, das von Gott eingegebene Wort zu kritisieren, zerstört jedes richtige Gefühl Gott gegenüber.

Wenn ein Mensch die Schrift in stolzem, kritischem Geist gelesen hat, dann aber zu einem bestimmten Zeitpunkt fühlt, dass er einen Retter braucht, kann es leicht geschehen, dass sein Gewissen ihm im Wege steht und ihn hindert, Trost zu schöpfen, indem es ihn daran erinnert, wie schlecht er das Wort Gottes behandelt hat. Es fällt ihm schwer, Trost aus Stellen der Bibel zu schöpfen, die er von oben herab behandelt oder als gar nicht beachtenswert ganz beiseite gesetzt hat. Wenn die Zeit der Not kommt, geben die Brunnen, die er mit Steinen verstopft hat, ihm kein Wasser für seinen Durst. Hüte dich, wenn du ein Schriftwort verachtest, dass du nicht den einzigen Freund verwirfst, der dir in der Stunde der Angst helfen kann!

— C. H. Spurgeon
aus „Die Tür ist offen“

Ich bete, dass Gott deine Gedanken bewahrt und in dir eine Leidenschaft und ein übernatürliches Vertrauen zu Gottes Worten bewirkt! Um im Zitat zu bleiben: Pflege deine Freundschaft zu deinem einzigen Freund, der dir in der Not behilflich sein möchte. Bewirf ihn nicht mit Steinen, sondern achte und ehre ihn; wie man nun einmal (nicht nur) mit guten Freunden umgehen sollte.

Der obige Text ist dem Büchlein „Die Tür ist offen“ entnommen: Bestellen oder online lesen.

Soli Deo Gloria,
wju

Bildquelle: Justin Newbury

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2 Kommentare

  • Lieber Waldemar! Also ich lese in der Bibel seit meiner jüngsten Kindheit und liebe dieses Buch. Es ist mir Quelle und Inspiration, Gott redet durch die Bibel zu mir. Aber Dein Post behauptet etwas, das mich stört. Die Bibel ist keine Person. Sie ist nicht mein „Freund“. Der Freund ist der Gott, der durch die Bibel bezeugt wird. Und genau das ist ein wichtiger kategorialer Unterschied. Und wenn er ein Freund ist, zu einer guten Freundschaft gehört auch Kritikfähigkeit. Die Unterstellung aber, Menschen würden die Bibel oder gar Gott mit Steinen bewerfen, die halte ich für lieblos gegenüber all denjenigen, die sich um eine kritische Auslegung der Heiligen Schrift bemühen, weil Sie Gott lieben und das auch mit dem Verstand und die Bibel wertschätzen, ihre Zeit und Aufmerksamkeit ihr immer wieder zu widmen… Woher so viel Apologetik? Hat die Bibel das nötig?

    • Vielen Dank für deinen Beitrag, Michael.

      Ich stimme dir zu, dass die Bibel keine Person ist. Da hast du absolut Recht. Wenn wir Gott z. B. als Vater im Himmel als Person bezeichnen, gibt es gewiss einen substanziellen, also wesenhaften Unterschied zur geschriebenen Bibel. Ich verstehe das Bild des Freundes von C. H. Spurgeon demnach als Gleichnis. Und so liest es sich auch, indem sogleich ein weiteres Bild (Brunnen, Steine) hinzugefügt wird. Hiermit soll ein Verhalten beschrieben werden und zur Korrektur im Umgang mit der Bibel aufgerufen werden.

      Nach deiner Aussage gehört zu einer guten Freundschaft auch Kritikfähigkeit. Dann frage ich mich, ob zu deiner Freundschaft mit Gott (wie oben von dir beschrieben) ebenfalls Kritikfähigkeit gehört? Das würde ich nämlich für Anmaßung halten. Es gibt unendlich viele Situationen, in denen ich Gott gegenüber kritisch gegenüberstand; immer dann wenn ich nicht ihm, sondern auf meine Fähigkeiten vertraut habe. Wenn ich seine Führung, Gebote und seinen Geist missachtet habe und meine eigenen Wege gegangen bin. Gewiss, Gott hat mich deswegen nicht verworfen. In diesem Sinne ist er kritikfähig; er erträgt so einiges. Aber wenn mein Herz eine grundlegende und vorsätzliche Haltung der Kritik ihm gegenüber hätte, wäre das doch keine gesunde Beziehung zu meinem Schöpfer und König? Die Bibel zeichnet hier ein anderes Bild der Beziehung. Eine freundschaftliche Beziehung in der Gott mir auf Augenhöhe begegnet, aber nichts an seiner Erhabenheit und Majestät verliert. Psalm 33,4: „Denn des HERRN Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss.“

      Zu deiner Bemerkung der Lieblosigkeit muss ich sagen, dass es wohl keinen vergleichbareren Begriff gibt, der in unseren Kreisen schneller ins Feld gezogen wird, wenn erst einmal eine bestimmte Sichtweise und Position kräftig infrage gestellt wird. Tut mir Leid, mir fehlt hierfür das Verständnis. Was ist denn bittesehr Lieblosigkeit? Soll ich schweigen von der Wahrheit, die seit Jahrhunderten unzähligen Menschen einen Halt gegeben hat und ein unerklärliches Vertrauen in Gottes Wege und seinen Weisungen (ohne dabei ihren Verstand auszuschalten – gegenteilige Behauptungen würden nur von einer Unkenntnis der Kirchengeschichte zeugen)?
      Ist es nicht eher lieblos diese Tatsachen zu verbergen und die Menschen um sich herum auf einen fragwürdigen Weg zu belassen? Ich erachte es nicht für lieblos, wenn meine eigene Sichtweise und Position kritisiert und infrage gestellt wird. Am Ende kommt es darauf an, was aus Gottes Augen recht und wahr ist. Bitte, kritisiert mich alle – doch nur, wenn es mich Jesus ähnlicher macht! So gesehen war Jesus der liebloseste Mensch aller Zeiten, weil er vielen Menschen aufgezeigt hat, wie sich Gott tatsächlich seit Jahrtausenden den Menschen offenbart hat und sich nun endgültig in Jesus selbst zeigt.

      Ich halte es für durchaus liebevoll meinen Mitmenschen zu sagen: „Jesus, der dich rettet und erlöst, ist es auch, der die Wahrheit des Alten Testaments bezeugt und seinen Jüngern die Autorität gab den freimachenden Glauben schriftlich in Kraft des Heilige Geistes für uns festzuhalten.“ (Hierzu ließen sich zahlreiche Bibelstellen anführen.)
      Ich denke, dass die bibelkritische Forschung im Zugzwang ist. Sie sollte auf dem Fundament des überlieferten christlichen Zeugnisses deutlich machen, warum es für einen Christen heutzutage attraktiv sein kann etliche christliche Sichtweisen über Bord zu werfen und Grundpfeiler der Verkündigung Jesu und seinen Jüngern aktualisieren zu müssen.
      Mich freut dein Satz: „Es ist mir Quelle und Inspiration, Gott redet durch die Bibel zu mir.“ Und weil Gott mir die Wahrheit über sich selbst und über meine Person gezeigt hat, ist mir eine Praxis fern, die denjenigen beschneiden möchte, der mir in seinen eigenen Worten „ohne Falsch“ entgegenkommt.

      Apologetik (also den christlichen Glauben denkerisch zu bezeugen) als Teildisziplin der Systematischen Theologie erachte ich als nicht verkehrt (1Petr 3,15f). Apologetische Aussagen im Neuen Testament (bspw. von Paulus) haben ihren Grund nicht in der mangelhaften Kraft der göttlichen Botschaft, sondern in der Erkenntnisbedürftigkeit der Mitmenschen. Apologetik ist in ihrer Konsequenz eine Liebestat, solange die Motive lauter und rein sind.

      Sicherlich sind viele Fragen jetzt noch offen geblieben, aber ich hoffe, dass dennoch deutlich geworden ist: Gott war, ist und bleibt treu. In der Bibel kommt uns seine Treue in vollem Maß entgegen.

      Ich will und kann niemanden überreden. Ich bin überzeugt, dass Jesus das durch die Bibel tun wird. Darum stimme ich Martin Luther zu, der da sagte: „Darum, wenn die Leute nicht glauben wollen, so sollst du stillschweigen; denn du bist nicht schuldig, daß du sie dazu zwingest, daß sie die Schrift für GOttes Buch oder Wort halten; es ist genug, daß du deinen Grund darauf gibst.“
      Diesen Grund habe ich hiermit versucht darzulegen.

      Herzliche Grüße,
      Waldemar