Jun 4, 2013 - Allgemein    Kommentare deaktiviert für Depressiv?! (Psalm 94)

Depressiv?! (Psalm 94)

Depressiv?!

Man sollte nicht davon ausgehen, dass Depressionen eine neuartige Erscheinung sind. Depressionen hat es zu allen Zeiten gegeben. Letztlich stammt dieser Begriff aus dem Lateinischen. Das Wort deprimere bedeutet schlicht „niederdrücken“. Emotionale Niedergeschlagenheit, tiefe Verzweiflungen und Angriffe auf die menschliche Psyche sind den Menschen in der Bibel keine Fremdheit!

Vor allem das Buch der Psalmen spricht in einer sehr anschaulichen Art und Weise von menschlichen Empfindungen und ist seit Jahrhunderten, ja, seit Jahrtausenden Quelle der Inspiration gläubiger Christen. Die Psalmen könnte man auch als die Seelsorge-Abteilung der Bibel bezeichnen. Sehr authentisch wird mit Gott gerungen und immer wieder schenkt hierin Gott den Müden Kraft und stärkt die Schwachen.

In diesem Kontext fasziniert mich der Psalm 94. Der Psalmist erfährt hierbei übermäßige Not und Ungerechtigkeit, die menschlich gesehen nicht mehr auszuhalten ist. Die Bedrohungen, die er und seine Landsleute am eigenen Leib erfahren, werden eindrucksvoll in den ersten Versen mit Vokabeln wie „zertreten, bedrücken und ermorden“ beschrieben. Es ist so schlimm, dass er sagt:

Ps 94,17) Wäre der HERR mir nicht eine Hilfe gewesen, so hätte wenig gefehlt, und meine Seele hätte im Schweigen des Totenreichs gelegen.

Hier stellt sich niemand zimperlich an. Auch geht es hier nicht um Kleinigkeiten. Es geht für diese gottesfürchtige Person um Leben und Tod! Kannst du erkennen wie haarscharf er seine Situation wahrnimmt? Es hätte nur ein wenig gefehlt. Doch der HERR bewahrt ihn! Zieh dir das mal rein! Gott hilft hier ganz aktiv!  Gott ist nicht der distanzierte Typ, den das alles gar nicht so richtig interessieren will. Gott wird ganz konkret als Hilfe bezeichnet!

Der Notleidende verliert nicht die Fassung, indem er alles kurz und klein haut, was sich ihm in den Weg stellt. Ganz klar ist für den Unterdrückten:

Ps 94,18) Wenn ich sagte: Mein Fuß wankt!, so unterstützte mich deine Gnade, HERR.

Gott ist nur einen Hilferuf weit entfernt. Gott hilft ihm. Gott stützt und hält ihn. Gottes Güte und Gnade ist es, die ihm neue Hoffnung gibt.

Auch in heftigen Depressionen und krankmachenden Gedanken, die bei so manchen schon zum Selbstmord geführt haben, ist Gott nicht weit entfernt und schenkt seine wunderbare Hilfe.

Ps 94,19) Als viele unruhige Gedanken in mir waren, beglückten deine Tröstungen meine Seele.

Hast du richtig gelesen? Währenddessen das Herz förmlich vor inneren Nöten zerrissen wird, wird unser Beter durch Gottes Tröstungen beglückt. Was ist darunter zu verstehen? Du kannst für dieses Wort auch die Worte liebkosen oder streicheln einsetzen. Merkst du was? Im Sturm kommt Gott mit seinem Heiligen Geist nah an dein Herz und schenkt dir Frieden. Auf einer Art und Weise, die wir vielleicht oft vernachlässigen. Der HERR nimmt bildhaft gesprochen die Rolle einer fürsorglichen Mutter ein, die ihr Kind liebevoll tröstet und liebkost (Jes 66,12f). Das ist eine so wunderbare Beschreibung wie Gott an uns Menschen handeln möchte, dass mir die Worte fehlen meine Gedanken auch nur annähernd niederzuschreiben!

Interessant ist außerdem, dass der Schreiber des 94. Psalms seine Worte nicht erst im Nachhinein verfasst. Man kann ihm nicht vorwerfen, dass er im Nachhinein alles schönreden würde! Der letzte Vers macht deutlich, dass sich der Psalmist immer noch in der Not befindet und von seinen Feinden verlästert und unterdrückt wird.

Ps 94,23b) Zum Schweigen bringen wird sie der HERR, unser Gott.

Das ist für mich ein sehr entscheidender Hinweis! Gott dient nicht als nachträglicher Trostspender bei dem man sagen könnte: „Ach, es war doch alles halb so schlimm.“ Nein, mitten in der Verzweiflung ist Gottes rettende Hand nicht weit entfernt. Gott erbarmt sich, fühlt und leidet mit. Erinnere dich daran: Gott ist nur einen Hilferuf entfernt! Und wenn du dich in einer ausweglosen und erbärmlichen Situation befindest, dann ermutige ich dich gemeinsam mit dem großen Propheten Jeremia zu beten:

Klgl 3,21-26) Doch dies will ich mir in den Sinn zurückrufen, darauf will ich hoffen: Ja, die Gnadenerweise des HERRN sind nicht zu Ende, ja, sein Erbarmen hört nicht auf, es ist jeden Morgen neu. Groß ist deine Treue. Mein Anteil ist der HERR, sagt meine Seele, darum will ich auf ihn hoffen. Gut ist der HERR zu denen, die auf ihn harren, zu der Seele, die nach ihm fragt. Es ist gut, dass man schweigend hofft auf die Rettung des HERRN.

Gott tröste dich und richte dich auf!

Soli Dei Gloria,
wju

Bildquelle: lucindy garcia

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