Mrz 21, 2013 - Allgemein    2 Kommentare

Das Herz eines Theologen

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Vor vielen Jahren ergab sich in meiner Heimatgemeinde die Gelegenheit anlässlich eines Anbetungsabends über den wundervollen Vers aus 5. Mose 6,5 zu predigen:

Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft.

Mich fasziniert die Vorstellung, Gott in allen Lebenslagen zu lieben und ihn mit meinem Leben eine Freude zu bereiten. Auf der anderen Seite fordert mich diese Vorstellung auch ungemein heraus. Schließlich steht die Forderung im Raum Gott auf allen menschlichen Ebenen (das ist letztlich mit den Begriffen Herz, Seele, Kraft gemeint) wirklich zu lieben. Doch das ist noch nicht genug. Jeder Bereich deines Lebens soll GANZ, GANZ, GANZ auf Gott ausgerichtet sein. Doch wer kann das schon von sich behaupten? Wie kann ich Gott mit noch mehr Herz, noch mehr Seele und noch mehr Kraft lieben? Diese Frage ließ mich nie wieder los.

Gott hat mich seitdem in einen Prozess hineingenommen, bei dem ich lerne, ihn wirklich mehr zu lieben und zu vertrauen. Auch wenn ich noch lange nicht am Ziel angekommen bin, kann ich erkennen, dass Gott mich immer mehr in diese ganzheitliche Anbetung führt.

Ein besonders großer Faktor für mein persönliches geistliches Wachstum war unter anderem schlicht und ergreifend das Lesen meiner Bibel. Hier stellt Gott sich vor. Völlig ungeschminkt redet er hier zu uns. Durch sein Wort schenkt er uns: Wahrheit, Liebe, Orientierung, Geborgenheit, Korrektur. All das und noch viel mehr brachte mich näher an das Herz Gottes.

Dazu kam, dass ich etliche theologische Bücher in die Finger bekam, welche mir die biblische Lehre systematisch erklären und veranschaulichen wollten. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass die ausgiebige Beschäftigung mit der Theologie zwei Dinge in mir bewirken kann:

  1. Theologie macht mich stolz.
  2. Theologie erfüllt mich mit Anbetung.

Hierzu las ich neulich sehr treffend und überzeugend folgende Passage:

Wenn wir überheblich sind, weil wir große theologische Begriffe verwenden oder mehr Bibelverse als unsere Freunde auswendig gelernt haben, dann haben wir den Gott aus den Augen verloren, den wir behaupten zu kennen. Darum erinnert uns Paulus, dass eine solche „Erkenntnis hochmütig macht, die Liebe aber auferbaut. Wenn jemand meint, etwas Besonderes erkannt zu haben, dann hat er noch nicht einmal erkannt, wie man erkennen soll“ (1Kor 8,1-2). Gute Theologen sind in zunehmendem Maße gedemütigt und begeistert von dem Gott, den sie studieren. […] Biblische Lehre und Theologie inspiriert unseren Verstand, um unsere Herzen zu gewinnen. So können wir Gott besser und leidenschaftlicher lieben.

— Bob Kauflin
aus „Worship Matters“, S. 32 (eigene Übersetzung)

So einen Umgang mit biblischer Erkenntnis wünsche ich mir! Eine Theologie, die mich nicht stolz und hochmütig werden lässt, sondern demütig und brennend im Geist macht! Eine Theologie, die nicht nur mich bewegt, sondern alle um mich herum in ein tiefes Vertrauen zu Gott führt.

Paulus nennt im Phil 3,18-19 diejenigen, die auf ihre eigenen Begierden bedacht sind und somit nur auf das Irdische und Vergängliche schauen: „Feinde des Kreuzes Christi“. Er sagt, dass ihr eigener Bauch in Wahrheit ihr eigentlicher Gott ist! Ich kann mir gut vorstellen, dass heutzutage Paulus sehr vielen Theologen sagen würde: „Dein Kopf ist dein Gott!“ Das Herz eines wahren Theologen sollte für Gott und die Gemeinde Gottes schlagen; und nicht für seinen eigenen Theologen-Kopf.

Ich liebe es in theologischen Büchern zu wälzen und mehr von der „gesunden biblischen Lehre“ und dem „zuverlässigen göttlichen Wort“ zu lernen (Tit 1,9). In alledem möchte ich mein Herz vor Überheblichkeit bewahren und lediglich Gott mit noch mehr Herz, noch mehr Seele und noch mehr Kraft lieben!

Soli Deo Gloria,
wju

Bildquelle: 11010010

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2 Kommentare

  • Ein wirklich guter Beitrag!!! Vielen Dank Waldemar!

    Gottes Segen weiterhin!!!

  • Gute Gedanken. Sie sprechen mir aus der Seele, denn ich merke ebenfalls, wie es Freude macht sich mit Theologie zu beschäftigen, um der Theologie willen. Die Gefahr ist echt real, dass wir dabei den wahren Gottesdienst aus den Augen verlieren.

    Wir werden wohl ein Leben lang daran arbeiten müssen.