Feb 13, 2013 - Allgemein    1 Kommentar

Daniel — Das Wunder leidenschaftlicher Buße

Gebet

Das Bußgebet Daniels gründet auf Verheißungen. Verheißungen, die Gott in seinem Wort, der Bibel gegeben hat. Daniel selbst gibt uns wertvolle Einblicke in sein Herz – und das Herz Gottes.

Um sich auch nur annähernd dem Gebetsleben Daniels und somit seinem atemberaubenden Bußgebet zu nähern, bitte ich dich zu Beginn in deiner Bibel aufmerksam Daniel 9,1-19 für dich persönlich zu lesen. Versuch dich dabei in die Ich-Perspektive zu versetzen, also Daniels Blickwinkel einzunehmen. Erst mit der Bibel in der Hand können die folgenden Zeilen ein Gewinn für dich werden, versprochen.

In Anbetracht heutiger finanzieller Krisen, gesellschaftlicher Unruhen und globaler Umweltkatastrophen ist es wirklich eine sehr steile Aussage, die uns in Vers 12 begegnet: „Unter dem ganzen Himmel ist nichts Derartiges (also nichts Vergleichbares) geschehen.“ Was ist los? Wie kann das Bitteschön sein? Übertreibt Daniel hier nicht etwas mit seinen sehr emotionalen und temperamentvollen Worten? Lass uns mal gemeinsam nachvollziehen, was in Daniel vorging. Wir gehen hierzu (nur kurz) einige Kapitel und somit einige Jahrzehnte zurück.

Verheißung und Erfüllung

Das Südreich und Königtum namens Juda (damals war Israel ein in Nord- und Südreich geteiltes Königreich) wurde von der damaligen Weltmacht Babylon verwüstet und der kostbare und für Gott geweihte Tempel würde zerstört. Erinnerst du dich noch an Vers 12? Tatsächlich, es kann absolut nichts Schlimmeres geschehen, als die Zerstörung und Verwüstung von Gottes Heiligtum! Es geht aber noch weiter. Viele Einwohner der Heiligen Stadt wurden zudem aus ihrer Heimat verbannt. Das geschah etwa 600 v. Chr. Auch Daniel befand sich unter den Gefangenen. Die ersten Kapitel des Danielbuchs beschreiben in sehr faszinierender und dramatischer Art und Weise von diesem jungen Kerl. Ein ungefähr erst 15jähriger (!) Jude wird zum Diener am Königshof auserkoren und sogleich in ein babylonisches Ausbildungsprogramm gesteckt. Daniel dient als treuer Staatsmann in Babylon, siebzig Jahre lang. Sein Ruf eilt ihm voraus. Die Königsgenerationen Nebukadnezar, Belsazar und Darius kennen seine gottesfürchtige Beziehung zu Jahwe, dem Gott Israels. Bereits von Jugend an ist Daniel umgeben von Götzendienst und Korruption. Staatsgesetzen, die seinen Glauben an Gott einschränken zu drohen, trotzt er mit furchlosen und regelmäßigen Gebeten (Dan 6,11). Er trägt den Königen prophetische Träume samt ihren erschreckenden Deutungen voller Mut vor (Dan 2; 4; 5; 7).

Nun zurück zum neunten Kapitel. Nach insgesamt siebzig Jahren Auf und Ab im Leben Daniels führt der Geist Gottes in seiner souveränen Macht Daniel während seiner „Stillen Zeit“ auf eine bedeutende und verheißungsvolle Passage in der Bibel. Daniel liest im Buch des Propheten Jeremia, „dass nämlich siebzig Jahre über den Trümmern Jerusalems dahingehen sollten“ (Dan 9,2), bevor Gott sein Volk aus der Macht Babylons befreit und zurück nach Hause, in das von Gott verheißene Land, zurückführt (vgl. Jer 25,11-12; 29.10).

Daniel erkennt, dass die Gefangenschaft bald vorbei sein muss. Die Strafe hat endlich ein Ende. Doch es gibt ein Problem: Man sieht noch gar nichts davon. Und das ist die erste Lektion, die wir aus diesem Kapitel lernen können: Daniel entdeckt in der Heiligen Schrift göttliche Verheißungen und beginnt für ihre Erfüllung zu beten. Daniel betet quasi mit der Bibel in der Hand.

Daniel richtet sein Gesicht zu Gott

Doch Daniel beginnt nicht sofort mit einer einfachen Bitte, dass Gott doch sein Versprechen endlich erfüllen möge. Nein, er richtet sein Gesicht zu Gott (Dan 9,3). Das bedeutet, er lenkt seine volle Konzentration nicht auf sich, sondern auf Gott selbst. Wie stellt Daniel das an? Durch „Gebet, Flehen, Fasten, Sack und Asche“. Diese Worte möchten uns beschreiben, wie ernst es ihm ist. Es ist eine Beschreibung einer andauernden Gebetshaltung (Gebet, Flehen). In seinem Trauergewand (Sack) drückt er seinen Gebetsernst durch Verzicht und bewusster Demütigung vor Gott aus (Fasten) und gebraucht typische symbolische Handlungen, um seiner absoluten Vergänglichkeit und Abhängigkeit Gott gegenüber Ausdruck zu verleihen (Asche). Ohne auch nur eine Zeile des eigentlichen Gebets zu thematisieren, wäre bereits an dieser Stelle ein Vergleich zu unserem persönlichen Gebetsleben sehr lohnend.

Daniel erkennt das Grundproblem der andauernden Gefangenschaft und Exilierung Judas scharfsinnig: Das Volk Gottes verdient keine Gnade! Lies dazu noch einmal die Verse 4-6. Wem erweist Gott seine Treue und Güte? „Denen, die ihn lieben und seine Gebote halten.“ Das Volk hat so ziemlich genau das Gegenteil gemacht! Daniel gebraucht in seinem Bußgebet hierfür verschiedene schwerwiegende Begriffe, um das Wesen des Volkes zu beschreiben: „gesündigt, vergangen, gottlos gehandelt, aufgelehnt, abgewichen, nicht gehört“ (Dan 9,5-6). In Vers 7 beschreibt Daniel dieses Verhalten zusammenfassend als „Untreue“ gegenüber Gott. Interessanterweise verwendet Daniels Zeitgenosse und zugleich Prophet Hesekiel dieses Wort u. a., um den Bruch mit Gott bzw. aufkommenden Götzendienst zu beschreiben (Hes 20,27f). Sehr drastisch stellt Daniel fest, dass bei Gott die Gerechtigkeit zu finden ist und beim Volk lediglich die „Beschämung des Angesichts“ bleibt.

Ein Blick in das Herz Daniels

Doch was soll dieser ganze Aufwand? Haben wir nicht noch eben festgestellt, dass Daniel ein absolut vorbildhafter und gottesfürchtiger Prophet Gottes war, dessen Zeugnis ziemlich einwandfrei war? Der inzwischen alte – etwa in seinen 80ern (!) – und sehr gläubige Mann tut Buße und bekennt die Schuld des Volkes. Er bleibt in dem ganzen Geschehen keineswegs außen vor und klammert sich auch nicht aus, sondern verwendet in seinem Gebet stets die Wir-Form. An dieser Stelle lernen wir von Daniel eine für mich völlig überwältigende Wahrheit: Dort, wo wir oft unsere eigene Schuld vor Gott verbergen wollen und sie vertuschen wollen, stellt sich Daniel mit voller Entschlossenheit sogar stellvertretend unter fremde Schuld! Verinnerliche für dich einen Augenblick diesen gewaltigen Aspekt.

Was für eine priesterliche und fürsorgliche Charaktereigenschaft und Herzenseinstellung Daniels! Mir bleibt nichts andere übrig, als hier einen deutlichen Vorschatten auf den stellvertretenden Tod von Jesus Christus zu erkennen (achte einmal auf die übereinstimmenden Gemütszustände!):

Hebr 5,7) Jesus Christus hat in den Tagen seines Fleisches sowohl Bitten als auch Flehen mit starkem Geschrei und Tränen dem dargebracht, der ihn aus dem Tod retten kann, und ist aufgrund seiner Gottesfurcht erhört worden.

So gewiss, wie Jesus sich (auch in seinem Tod) seiner Auferstehung war, so wusste auch Daniel um die Errettung seines Volkes durch Gott allein. Hatte er es doch schwarz auf weiß in seinen Bücherrollen vor Augen und konnte voller Zuversicht proklamieren: „Es steht geschrieben!“ Das erklärt auch, warum Daniel nicht resignierte und aufhörte zu beten. Denn in Vers 9 begegnet uns endlich ein Lichtblick, ja, ein Hoffnungsschimmer. Gott steht der Untreue des Volkes mit „Erbarmen und Vergebung“ gegenüber! Das hebräische Wort (racham) für Erbarmen (oder Barmherzigkeit) meint ursprünglich „Eingeweide“ und ist am besten mit einem „treffenden Schmerz im Innern“ (!) zu beschreiben. Zahlreiche Bibelpassagen in den Evangelien berichten uns davon, dass auch Jesus aufgrund von verschiedensten Missständen immer wieder „innerlich bewegt“ war. Daniel wusste um Gottes tiefste Empfindungen gegenüber seinem geliebten Volk. Es ist so unglaublich eindrucksvoll, wie Daniel sich völlig mit Gottes Leiden vereinigt. Diese einzigartige Verbindung war der Ausgangspunkt für Daniels kraftvolles Bußgebet. Daniel teilte Gottes Schmerz und erhielt dadurch ein weiches Herz für die Botschaften Gottes (vgl. Daniels Betroffenheit auch in Dan 8,27; 10,2). Dieser Umstand lässt Daniel nicht mit Gott hadern. Er erkennt Gottes Gerechtigkeit bereitwillig an. Das Volk hätte Gottes Angesicht (wörtlich) „weichmachen“ sollen, indem sie erstens umkehren und zweitens auf die Wahrheit hören und ihr Leben anschließend auf das Gehörte ausrichten (Dan 9,13).

Gottes Herrlichkeit, Ehre und Souveränität

Ausführlich hat Daniel bis hierhin das Vergehen des gesamten Volkes ungeschminkt vor Gottes Thron getragen. Doch ab Vers 15 begegnet uns nun eine erstaunliche Wende im Bußgebet von Daniel. Plötzlich steht etwas ganz anderes im Mittelpunkt des Gebets. Es geht um Gott und seine Ehre. Was tut Daniel da? Ihm kommt es gar nicht in den Sinn Gott mit der eigenen Gerechtigkeit und Ehre zu beeindrucken. Sieh, welche Geschütze Daniel in seinem Bußgebet auffährt. Es geht ausschließlich um Gott und seinen Bund, seine Befreiung aus Ägypten, sein Volk, sein Heiligtum, seine Stadt, seinen Namen. Daniel setzt alles auf eine Karte! Daniel erinnert seinen Gott an sein Bündnis, welches er mit seinem Volk geschlossen hat, und malt ihm seine bisher erwiesene Gnade und Güte vor Augen. Daniel „richtet sein Gesicht zu Gott“ und sorgt sich allein um Gottes Namen und sein Reich (Mt 6,33)! Gott muss einfach handeln, es geht schließlich um das Größte – Gottes Herrlichkeit und Ehre.

Doch woher hat Daniel diese Gewissheit, dass Gott auch wirklich handeln wird? Die Antwort ist ziemlich simpel: aus dem Wort Gottes! Denn die Bibelstelle in dem Buch Jeremia, die Daniel gelesen hat, macht deutlich, dass Gott selbst handeln muss und die Befreiung des Volkes in den Machtbereich des Herrn fällt! Gib dich aber noch nicht mit dieser Antwort zufrieden. Jetzt wird es erst interessant. Wenn Daniel aus Jer 29,10 weiß, dass die Befreiung in der Souveränität Gottes begründet ist, drängen sich doch nun die Fragen auf: Warum eigentlich Buße tun? Weshalb überhaupt noch beten? Wozu das Ganze? Widerspricht Gottes souveränes Handeln etwa einem leidenschaftlichen Gebet? Meines Erachtens ist diese Frage sehr herausfordernd, zugleich extrem entscheidend für unser eigenes Gebetsleben. Die erstaunliche Lösung findet sich, wenn du in Jer 29 mindestens vier Verse weiter liest:

Jer 29,11-14) Denn ich kenne ja die Pläne, die ich über euch plane, spricht der HERR, Pläne des Friedens und nicht zum Unheil, um euch Zukunft und Hoffnung zu gewähren. Ruft ihr mich an, geht ihr hin und betet zu mir, dann werde ich auf euch hören. Und sucht ihr mich, so werdet ihr mich finden, ja, fragt ihr mit eurem ganzen Herzen nach mir, so werde ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR. Und ich werde euer Geschick wenden …

Kannst du dir vorstellen, was eigentlich in Daniel vorging, als er genau das las, was du soeben gelesen hast? Daniel verstand ein wichtiges Prinzip im Reich Gottes: Der Schlüssel für Lebensveränderung und erhörtem Gebet ist nicht in mir zu finden, sondern allein in Gottes Verheißungen, die er in seinem Wort, der Bibel, offenbart hat! Diese Verheißungen gilt es zu suchen, zu verinnerlichen und zu erflehen (Mt 22,29). Denn Gott durchstreift die ganze Erde, um sich an denen mächtig zu erweisen, die ihr Gesicht zu ihm richten und seine Pläne und Verheißungen erbitten (2Chr 16,9). Was für ein Vorrecht! Und genau das ist Gottes Konzept für ein erfülltes Gebetsleben. Darum kann Daniel in seiner hingegebenen und ungeheuchelten Buße auf Gottes Gnade und seine Wiederherstellung vertrauen. Gott wird um seiner selbst willen „aufmerken, hören, vergeben, handeln und nicht zögern“ (Dan 9,17-19).

Gott selbst ermahnt uns zu einem gottgefälligen Gebetsleben mit den Worten Jesu aus Mt 6,33: „Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit!“ Anschließend werden wir mit Jesu Verheißung ermutigt: „Dann wird er euch mit all dem anderen versorgen.“

Gott durchstreift die ganze Erde …

Ich bitte dich nun dein Herz zu prüfen und dich zu fragen: Worauf ist „dein Gesicht gerichtet“? Was beschäftigt dich im Gebet? Lässt du dein Gebet von Gottes Wort durchfluten? Welche Botschaften Gottes treffen deine Eingeweide und führen dich zur Umkehr? Welche Verheißungen erfüllen zutiefst dein Herz und lassen dich im Gebet Gottes Herzschlag spüren? Verfolgst du mit deinen Gebeten und deinem Leben die Verherrlichung unseres souveränen Gottes?

Und nun ergreife das Wort Gottes und bete zu deinem Gott, denn …

… du wirst deinen Gott finden, wenn du mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele nach ihm fragen wirst. (5Mo 4,29)

Soli Deo Gloria,
wju

Dieser Artikel erschien erstmals im Timotheus Magazin #09 „Buße“. Einfach bestellen oder online lesen!

Bildquelle: Peter Voth

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