Nov 19, 2014 - Allgemein    1 Kommentar

Christen, warum streitet ihr?

Roboterkampf

Immer wieder begegnet es mir, dass unsere Gesellschaft die Unterschiede zwischen den Kirchen und Glaubensgemeinschaften beklagt. Es herrscht oft ein relativ großes Unverständnis dafür, dass Christen in Glaubensfragen leidenschaftlich und vehement für biblische Wahrheiten eintreten. Zu einem gewissen Teil kann ich solch ein Behagen nachvollziehen. Mir persönlich ist es auch ein Anliegen, die Einheit über Gemeindegrenzen hinweg zu fördern und die Gemeinschaft zu suchen, anstatt in Detailfragen auseinanderzugehen (siehe hierzu den Artikel Wichtige und weniger wichtige Lehren).

In diesem Zusammenhang habe ich in dieser Woche in den sozialen Netzwerken folgendes Video entdeckt, dass immer häufiger geteilt wird. Der römisch-katholische Theologe Erzbischof Kardinal Schönborn aus Wien nimmt in einem kurzen Video Stellung zu der Frage: „Wie kommt man in den Himmel/Hölle?“

Ich stimme mit dem Kardinal überein, dass es bei der Frage um Himmel und Hölle, um eine wesentliche Frage geht. Schließlich hat Gott uns geschaffen im Hinblick auf die Ewigkeit (Pred 3,11).

Doch dann hört es auch bald schon auf mit der Übereinstimmung. Die Antwort des Kardinals ist wirklich für einen evangelischen Christen und Theologen nicht auszuhalten. Ich kann nicht begreifen, dass ein Christ und kirchlicher Amtsträger bei seiner Antwort den entscheidenden Punkt vergisst, nämlich den Weg Gottes in Person: Jesus Christus. Die Bibel ist sonnenklar, wenn sie Jesus zitiert:

Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben! Niemand kommt zum Vater, als ausschließlich durch mich.
(Joh 14,6 – mehr auf jesuschristus.de)

Jesus beansprucht hier, die einzige Verbindung zu Gott dem Vater und damit der einzig echte Weg zu einer Beziehung mit Gott zu sein. Diese Gemeinschaft mit Gott bedeutet wahres Leben. Interessanterweise scheut sich Jesus auch nicht den Aspekt der Wahrheit in dieser Aussage auf sich zu münzen. Heutzutage ist die Wahrheitsfrage nicht gerade populär. Mir scheint, dass wir Spannungen im Miteinander oft gar nicht mehr ertragen können/wollen. Entgegengesetzte Überzeugungen und Differenzen dürfen in wesentlichen Glaubensfragen wie die Obige nicht glattgebügelt werden. Wenn der gemeinsame Nenner fehlt, dann kann Gleichmacherei keine Lösung sein.

Die Arbeitsgemeinschaft Weltanschauungsfragen e.V. veröffentlichte kürzlich passend dazu einige theologische Differenzen zwischen der offiziellen katholischen Lehrmeinung und Grundüberzeugungen evangelikaler Christen. Einiges davon deckt sich mit unserem Video:

1. Im Gegensatz zur katholischen Kirche betonen evangelikale Christen die absolute Gültigkeit der Bibel allein, gegen ihre Gleichstellung mit Konzilien und päpstlichen Beschlüssen. 2. Sie setzen sich ein für ein allgemeines Priestertum, gegen kirchliche Hierarchie. 3. Evangelikale predigen die Erlösung durch eine bewusste Entscheidung (Bekehrung) des Menschen, gegen eine Taufwiedergeburtslehre und eine Mitwirkung der Kirche bei der Erlösung. 4. Sie stellen den Glauben in den Mittelpunkt und lehnen eine Vermittlung des Heils durch Sakramente ab. 5. Evangelikale akzeptieren Christen aus verschiedenem konfessionellem Hintergrund und widersprechen dem Gedanken einer einzigen seligmachenden, irdischen Kirche. 6. Sie betrachten alle wahrhaft Gläubigen als Heilige und kritisieren die kultische Verehrung ausgesuchter, irdischer Personen (katholische Heilige). 7. Bei evangelikalen Christen steht Jesus Christus allein im Mittelpunkt ihres Glaubens, sie kennen keine Miterlöserin (Maria) und keinen Stellvertreter Christi auf Erden (Papst).

Zum ganzen Artikel: „Katholische Kirche: attraktiv und problematisch“

Auch nach fast 500 Jahren Reformation muss man manchmal um die Wahrheit ringen. Das ist zwar nicht einfach, aber besser als den Wahrheitsbegriff (und damit auch Jesu Selbstanspruch) fallen zu lassen.

Soli Deo Gloria,
Pastor Waldemar

Bildquelle: courtney croxdale

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1 Kommentar

  • Das Format „Frag den Kardinal“ ist eigentlich eine ziemlich coole Sache. Wie wäre es, mit „Frag den Pastor“? Eine Plattform dafür hast du ja schon.
    Ich bin auch etwas von der Antwort des Kardinals enttäuscht. Den Weg in den Himmel über Gebote… Vielleicht lag es daran, dass er einem Kind geantwortet hat und sich sorgte, dass der Hinweis auf Jesus als Weg zu kompliziert geraten könnte. Dann wiederum verstehe ich den Hinweis auf die Heiligen aber nicht. Gesetzlichkeit scheint leichter erklärbar/vertretbar als Glaube. Wie dem auch sei. Möglicherweise interessant zu dem Thema wäre ein Blick in „Der gekreuzigte Gott“ von Jürgen Moltmann. Schon etwas älter, setzt sich aber mit der Sprachlosigkeit der Kirche im Blick auf Jesus Christus auseinander.