Jul 17, 2014 - Allgemein    4 Kommentare

Adam = theologische Fiktion?!

Echte Person?

Immer wieder wird von heutigen Bibelauslegern und einer Reihe von Christen behauptet, dass es sich bei der biblischen Person Adam  (und natürlich auch Eva), um eine rein fiktive Person handeln würde, welche höchstens theologischen Wert hat. Begründet wird dies oft mit der Thematisierung von unterschiedlichen Textsorten (Textgattungen genannt), die es in der Bibel gibt. Eine Bedienungsanleitung sagt etwas völlig anderes aus, als ein Gedicht, ein Lied, ein Gleichnis, eine Predigt usw. Wenn man die Bibel ernstnehmen und achten möchte, dann sei für eine Auslegung, Interpretation und Exegese die entsprechende Textgattung zu berücksichtigen.

Hierbei handelt es sich um einen äußerst wichtigen Aspekt, da diese Forderung mehr als berechtigt ist. Gute christliche Theologen und Bibellehrer sollten fortwährend betonen, dass die literarische Gattung für eine korrekte Wiedergabe des Sinns eines (biblischen) Textes unabdingbar ist.

Zurück zu Adam. Oftmals werden besonders (nicht nur) die ersten Kapitel der Bibel nicht als historische Berichte verstanden, sondern als Texte, die auf einer anderen Wahrheitsebene bestimmte Prinzipien an den Lesern vermitteln möchten. Immer wieder wurde mir bspw. in meinem Theologiestudium gesagt: „Der Text XY möchte gar nicht historisch verstanden werden.“ Das halte ich für einen weisen Ausgangspunkt. Um herauszufinden, ob die biblischen Autoren und damit auch die ersten Christen Adam als realen Menschen angesehen haben, ist das subjektive Verständnis der Autoren zu hinterfragen. Darüber hinaus ist es für gläubige Christen von Interesse wie Jesus und die ersten Christen diese Texte verstanden haben. Hierfür zitiere ich eine kurze Liste von Andreas Schnebel (apologet.de):

  • Moses glaubte, dass Adam und Eva real waren (1Mo 5, etc.)
  • Der Autor der Chronik glaubte, dass Adam real gewesen ist: 1Chr 1,1
  • Lukas glaubte, dass Adam real gewesen ist: Lk 3,38
  • Der Herr Jesus glaubte, dass Adam und Eva real gewesen ist: Mt 19,4-5
  • Paulus glaubt, dass Adam real gewesen ist: Röm 5,12ff, 1Kor 15,22.45, 1Tim 2,12-14
  • Judas glaubte, dass Adam real gewesen ist: Jud 14

Die ersten Seiten der Bibel als rein fiktiv-theologische Texte zu interpretieren ist eine Lesart, die dem Verständnis sowohl der AT- als auch NT-Autoren nicht gerecht wird. Man ist sich einig, dass zu biblischen Zeiten (so auch Jesus) von historischen Gegebenheiten ausgegangen wurde. Alternative Ansichten können selbstverständlich (und müssen vielleicht auch) diskutiert und debattiert werden. Doch sollte man sich bewusst machen, dass eine fiktiv-theologische Interpretation nicht den Glauben der Mehrheit der Christen weltweit und aller Zeiten widerspiegelt. Zudem sind die weitreichenden Folgen und weiterführenden Fragen einer alternativen Auslegung zu bedenken, wie z.B. die Glaubwürdigkeit Jesu und der Apostel und die Auswirkungen auf das Wesen der Errettung (Soteriologie).

Soli Deo Gloria,
Pastor Waldemar

Bildquelle: „designed by Freepik.com“

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4 Kommentare

  • Hi Waldemar,

    ein sehr interessanter und wichtiger Post. Bei dieser Debatte hänge ich immer an folgender Frage: Hießen die ersten Menschen wirklich Adam und Eva? Denn meines Wissens ist Hebräisch (in welcher Mose Genesis verfasste) nachweislich ein bestimmter semitischer Dialekt und nicht unbedingt die „Ursprache“ der Menschen. Ich bin davon überzeugt, dass Gott die Menschheitsgeschichte mit einem Menschenpaar begann, welche er bewusst geschaffen hat (ohne Evolution zu gebrauchen). Allerdings stelle ich mir die Frage, was historisch geschehen ist (und worauf wir heilsgeschichtlich bestehen müssen) und wo wir vielleicht zugeben müssen, dass Dinge doch symbolisch geschildert sind? Bin da für mich noch zu keiner endgültigen Antwort gekommen.

    • Lieber Andi, danke für dein Kommentar und deine Offenheit.
      Da du die Namen der ersten Menschen erwähnst, wollte ich fragen wie du die Namensgebung Evas aus 1Mo 3,20 beurteilst?
      Gott mit dir, Waldemar

      • Wie Namensgebung in semitischen Kulturen genau ablief ist leider noch nicht ausreichend bekannt. Allerdings wissen wir, dass Menschen „umbenannt“ werden konnten. Jakob z.B. wurde zu Israel oder Abram zu Abraham. Diese Umbennenung hat oft etwas mit einer neuen Stellung oder Aufgabe zu tun. Der akkadische König Sargon (šarru-kīn „wahrer König“) hatte diesen Namen auch sicher nicht von Geburt an inne, sondern übernahm ihn mit der Thronbesteigung. Ich gehe davon aus, dass es mit Adam und Eva ähnlich sind. Beide sind Prototypen des Menschen (Adam) und des Lebens (Eva). Sie „umzunennen“ war kein Akt historischer Verzerrung von Seiten des Moses, sondern ein Verhalten, das man bei einem Semiten erwarten würde. Er benennt sie als das, was sie wirklich sind bzw. waren.

        • Hallo Mario,

          danke für deinen interessanten Beitrag. Deine Schilderung kann ich prinzipell nachvollziehen. Eine solche Umbennenung wäre m.E. tatsächlich keine Verzerrung.

          Die Frage von Andi geht ja noch einen Schritt weiter. Selbst wenn das erste Menschenpaar erst später zu ihren Namen kam, so bleibt die Frage, ob die Handlungen aus den ersten Kapiteln symbolisch oder historisch zu verstehen sind. Eine symbolische Deutung sehe ich jedoch atl. und ntl. nicht gerechtfertigt.
          Ähnlich wird ja auch in Bezug auf die Schöpfung argumentiert. Hebräer 11,3 spricht für mich eine deutliche Sprache, dass das Schöpfungsgeschehen durch den Glauben als Tatsachenbericht zu verstehen ist.

          Was denkt ihr?